Die Empfehlungen aus der Spätlese
Tana French: Gefrorener Schrei, Scherz Verlag
Eine neue Tana French, endlich! Auf die Bücher von ihr warte ich immer ganz begierig, bisher mochte ich alles und auch das neue Buch enttäuscht nicht. Dieses Mal steht Antoinette Conway im Mittelpunkt, die wir ja schon in "Geheimer Ort" kennen gelernt haben (für Tana French-Neulinge: Man begegnet bei ihr stets alten Bekannten, denn sie lässt immer ein anderes Mitglied der Dubliner Polizei in den Vordergrund treten, während im Hintergrund Personen aus ihren anderen Büchern eine Rolle spielen. Gefrorener Schrei ist ihr sechstes Buch, und man kann dadurch jedes für sich lesen und quer einsteigen).
Antoinette werden als einziger Frau und Neuling im Mordderzernat von ihren Kollegen einige Steine in den Weg gelegt, aber sie beisst sich durch. Als sie mit ihrem Partner (Stephen Moran, den kennen wir aus "Geheimer Ort") in einem scheinbar klaren Mord ermittelt - Frauenleiche, Tisch romantisch für zwei gedeckt, Kerzen und Wein = eindeutig Beziehungstat - soll sie eigentlich nur den Freund der Toten verhaften. Sie ist bei so viel Eindeutigkeit aber misstrauisch, und die folgende Handlung ist so stringent erzählt, so fesselnd und gut geschrieben, dass ich das Buch quasi in einer Nacht gelesen habe. Neulich habe ich die Frieda-Klein-Reihe von Nicci French ja als eine meiner liebsten Krimi-Reihen gelobt - die Bücher von Tana French (so merkt sich's auch besser) ist die andere.
Tom Hillenbrand: Gefährliche Empfehlungen, KiWi Taschenbuch
Xavier Kieffer ist zurück! Das sind eindeutig Wohlfühlkrimis, auch für Leute die nicht gerne Krimis lesen. Aber Affinität zu Wein und Kulinarik sollte da sein, denn es wird lecker! Dieses Mal geht es für den ehemaligen Sternekoch aus Luxemburg um einen antiquarischen Restaurantführer, für den jemand über Leichen geht. Dazu wird wieder geschlemmt und getrunken, und auch ich hatte unbändige Lust auf ein Glas Wein beim Lesen. Daneben sind die Hintergründe aber wie immer gut recherchiert und es macht einfach Spaß, in Xaviers Welt einzutauchen und seinem Dickkopf zu folgen. Auch hier kann man mit dem fünften Fall gut quer einsteigen, aber auch die anderen Bände sind sehr lesenswert.
Karin Kalisa: Sungs Laden, Droemer Knaur Taschenbuch
Ein Lieblingsbuch! Dieses Buch mag ich so gerne, wegen der Sprache, den Personenzeichnungen und der fein ausgedachten Handlung. Es geht um einen vietnamesischen Gemischtwarenladen in Berlin, aber oh, was steckt alles drin in diesem schönen kleinen Roman! Wie bei einem Steinchen, das man ins Wasser wirft, entstehen hier aus einer kleinen Begebenheit immer größere Kreise, und alle sind von Offenheit und Zuneigung und einem Glaube ans Gute geprägt.
Das kann man wahrhaft brauchen in einer Zeit, in der man manches Mal schon an den Menschen verzweifeln könnte. Hier kommt aber der Gegenentwurf, eine Utopie, ein Märchen? Egal, die Welt kann ein bisschen Nettigkeit und Glitzer gut vertragen. Am liebsten würde ich hundert Exemplare kaufen und sie überall in der Welt liegen lassen, damit andere sie finden und lesen.
Lucy Astner: Polly Schlottermotz, Thienemann Planet!
Jaha, ein Kinderbuch! Aber die Geschichte von Polly und ihrer großen und schockierenden Entdeckung fand ich so witzig erzählt, dass ich sie gerne für alle ab 6 zum Vorlesen oder ab 9 zum Selberlesen empfehlen möchte. Vor allem, weil die Botschaft - wir müssen nicht alle gleich sein, es ist gut sich zu unterscheiden und eigen zu sein - so unverkrampft und leichtfüssig daher kommt. Bei all den turbulenten Szenen und den lustigen Dialogen stelle ich mir vor, dass Vorlesen fast sogar noch mehr Spaß macht als Selberlesen...
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Mittwoch, 11. Januar 2017
Donnerstag, 13. Oktober 2016
Literatur-Nobelpreis und Empfehlungen aus der Spätlese
Hey Nobelpreiskomitee, wie entspannt ist denn das? In diesem Jahr gibt's kein "WER hat den Preis gekriegt? Wie heisst der? Welches Land? Gibts da überhaupt was auf Deutsch? Und wann ist das wieder lieferbar?" Nein, dieses Jahr lehne ich mich total entspannt zurück, trinke eins auf Bobby Dylan und freue mich auf nächstes Jahr... da bekommt den Literatur-Nobelpreis dann vermutlich das Bundesfinanzministerium für seine unterhaltsamen Broschüren.
Also, jetzt lasst uns über Literatur reden: Am Dienstag war wieder Spätlese, und ich musste mich wirklich beherrschen - so viele tolle Bücher und so wenig Zeit. Und bald ist ja auch wieder Weihnachten... Die Spätlese findet dieses Jahr noch mal am 08. November statt und am 13. Dezember gibt es dann das Weihnachts-Special mit lauter Geschenktipps für Ehemänner und Schwiegertöchter und Nachbarinnen und ...
Am Dienstag hatte ich diese Schätzchen für euch ausgesucht:
Laura Tait/ Jimmy Rice: Alles, was vielleicht für immer ist, Dumont
Von diesen beiden hat mir schon "Das Beste, das mir nie passiert ist" so gut gefallen, weil sie genüßlich mit der weiblichen und der männlichen Perspektive spielen. Hier geht es noch einen Schritt weiter: Rebecca vereint auf sich typisch "männliche" Klischees wie Zielstrebigkeit und Sachlichkeit und Ben ist das Mädchen in der Beziehung mit den "weiblichen" Eigenschaften wie hoher Emotionalität und Neugier auf andere. Das treibt unser Autorenduo mitunter ganz schön auf die Spitze, aber ich hab mich bei diesem lustigen kleinen Roman immer bestens unterhalten gefühlt.
Chiara Gamberale: Das 10-Minuten-Projekt, Berlin Verlag
Zuerst habe ich gedacht, öhch schon wieder so ein Selbsthilfe-Roman, aber dieses Buch ist so witzig und unsentimental und erfrischend geschrieben, dass ich es euch ganz arg ans Herz legen möchte. Chiara ist deprimiert, weil ihr Mann sie verlassen hat, und soll nun auf Geheiß ihrer Therapeutin jeden Tag 10 Minuten lang etwas ganz Neues ausprobieren, um auf andere Gedanken zu kommen. Sie beginnt eher missmutig mit knallpinkem Nagellack, arbeitet sich über HipHop-Tanzen und Impro-Theater vor bis zum Windelwechseln und schließlich den größeren Themen - einem Besuch bei IKEA.
Nee Quatsch, so seicht ist es nicht! Besonders bewegend fand ich das Kapitel, in dem sie zum ersten Mal ihre Mutter fragt, wie es ihr denn wirklich geht, und so lange hartnäckig bleibt bis die beiden ein wirklich schönes Gespräch führen. In ihren Selbstheilungsprozess funkt ihr blöder Exmann immer wieder dazwischen, aber Chiara bleibt tapfer und lernt nach und nach, ihr Leben wieder zu schätzen.
Außerdem hat das Buch das allerschönste weihnachtliche Ende aller Zeiten und ist daher das perfekte Geschenk für unter den Baum!
(Und, wer hats gemerkt, dieses Buch hatte ich schon im Oktober letztes Jahr als Neuerscheinung empfohlen. Jetzt ist es gerade als Taschenbuch erschienen).
Joyce Maynard: Die Guten
Ich vermisse Barbara Vine ja schmerzlich, ihre Bücher sind einfach etwas Besonderes. Umso schöner, dass mich dieses Buch sehr an ihren Stil, ihre klug konzipierten Handlungen und sorgfältigen Charakterzeichnungen erinnert. Die Geschichte ist wirklich faszinierend: Als Helen an einem ziemlichen Tiefpunkt ihres Lebens angekommen ist, lernt sie die charismatischen Havillands kennen. Ava und Swift haben alles, was Helen nicht hat, und sie bindet sich immer enger an diese Familie, auch auf Kosten von echten Freundschaften. Mit Hilfe des glamurösen Lebensstils der beiden schafft sie es sogar, wieder eine Beziehung zu ihrem kleinen Sohn Ollie aufzubauen. Und dann wird es dramatisch... Da ist so wahnsinnig durchdacht und raffiniert aufgebaut, ich habe völlig fasziniert gelesen und gelesen und konnte überhaupt nicht aufhören.
Anita Terpstra: Anders, blanvalet
Ja, das hatte ich schon aus meiner Ferienlektüre empfohlen.
Brigitte Glaser: Bühlerhöhe, List Verlag
Und nun mein Highlight: Das ist soooo ein wunderbares Buch!! Es wird 1952 aus der Sicht dreier Frauen erzählt - einer jungen Israelin, die widerwillig zur Agentin wird, eines Zimmermädchens aus dem Schwarzwald und einer undurchsichtigen Hausdame im Luxushotel Bühlerhöhe - und ich bin tief in die unmittelbare Nachkriegsgeschichte eingetaucht.
Es gibt ja nicht so viele Bücher, die zu Beginn der 50er spielen, und ich fand den Kontrast zwischen den Nachwirkungen des Krieges und dem Lebenswillen der Wirtschaftswunderzeit sehr interessant. Auch die deutsch-israelische Geschichte und Politik dieser Zeit wird thematisiert und so gekonnt in die Romanhandlung eingearbeitet, dass ich die Zusammenhänge sehr gut verstehen konnte. Dazu schafft die Autorin ein farbiges und lebendiges Zeitbild - und eine überaus spannende Handlung um ein geplantes Attentat auf Kanzler Adenauer, der in der Bühlerhöhe zur Sommerfrische erwartet wird.
Dieses Buch werde ich zu Weihnachten wie verrückt empfehlen, so eine perfekte Mischung aus Zeitgeschichte, Spannung und Romanhandlung habe ich lange nicht mehr gefunden.
Hey Nobelpreiskomitee, wie entspannt ist denn das? In diesem Jahr gibt's kein "WER hat den Preis gekriegt? Wie heisst der? Welches Land? Gibts da überhaupt was auf Deutsch? Und wann ist das wieder lieferbar?" Nein, dieses Jahr lehne ich mich total entspannt zurück, trinke eins auf Bobby Dylan und freue mich auf nächstes Jahr... da bekommt den Literatur-Nobelpreis dann vermutlich das Bundesfinanzministerium für seine unterhaltsamen Broschüren.
Also, jetzt lasst uns über Literatur reden: Am Dienstag war wieder Spätlese, und ich musste mich wirklich beherrschen - so viele tolle Bücher und so wenig Zeit. Und bald ist ja auch wieder Weihnachten... Die Spätlese findet dieses Jahr noch mal am 08. November statt und am 13. Dezember gibt es dann das Weihnachts-Special mit lauter Geschenktipps für Ehemänner und Schwiegertöchter und Nachbarinnen und ...
Am Dienstag hatte ich diese Schätzchen für euch ausgesucht:
Laura Tait/ Jimmy Rice: Alles, was vielleicht für immer ist, Dumont
Von diesen beiden hat mir schon "Das Beste, das mir nie passiert ist" so gut gefallen, weil sie genüßlich mit der weiblichen und der männlichen Perspektive spielen. Hier geht es noch einen Schritt weiter: Rebecca vereint auf sich typisch "männliche" Klischees wie Zielstrebigkeit und Sachlichkeit und Ben ist das Mädchen in der Beziehung mit den "weiblichen" Eigenschaften wie hoher Emotionalität und Neugier auf andere. Das treibt unser Autorenduo mitunter ganz schön auf die Spitze, aber ich hab mich bei diesem lustigen kleinen Roman immer bestens unterhalten gefühlt.
Chiara Gamberale: Das 10-Minuten-Projekt, Berlin Verlag
Zuerst habe ich gedacht, öhch schon wieder so ein Selbsthilfe-Roman, aber dieses Buch ist so witzig und unsentimental und erfrischend geschrieben, dass ich es euch ganz arg ans Herz legen möchte. Chiara ist deprimiert, weil ihr Mann sie verlassen hat, und soll nun auf Geheiß ihrer Therapeutin jeden Tag 10 Minuten lang etwas ganz Neues ausprobieren, um auf andere Gedanken zu kommen. Sie beginnt eher missmutig mit knallpinkem Nagellack, arbeitet sich über HipHop-Tanzen und Impro-Theater vor bis zum Windelwechseln und schließlich den größeren Themen - einem Besuch bei IKEA.
Nee Quatsch, so seicht ist es nicht! Besonders bewegend fand ich das Kapitel, in dem sie zum ersten Mal ihre Mutter fragt, wie es ihr denn wirklich geht, und so lange hartnäckig bleibt bis die beiden ein wirklich schönes Gespräch führen. In ihren Selbstheilungsprozess funkt ihr blöder Exmann immer wieder dazwischen, aber Chiara bleibt tapfer und lernt nach und nach, ihr Leben wieder zu schätzen.
Außerdem hat das Buch das allerschönste weihnachtliche Ende aller Zeiten und ist daher das perfekte Geschenk für unter den Baum!
(Und, wer hats gemerkt, dieses Buch hatte ich schon im Oktober letztes Jahr als Neuerscheinung empfohlen. Jetzt ist es gerade als Taschenbuch erschienen).
Joyce Maynard: Die Guten
Ich vermisse Barbara Vine ja schmerzlich, ihre Bücher sind einfach etwas Besonderes. Umso schöner, dass mich dieses Buch sehr an ihren Stil, ihre klug konzipierten Handlungen und sorgfältigen Charakterzeichnungen erinnert. Die Geschichte ist wirklich faszinierend: Als Helen an einem ziemlichen Tiefpunkt ihres Lebens angekommen ist, lernt sie die charismatischen Havillands kennen. Ava und Swift haben alles, was Helen nicht hat, und sie bindet sich immer enger an diese Familie, auch auf Kosten von echten Freundschaften. Mit Hilfe des glamurösen Lebensstils der beiden schafft sie es sogar, wieder eine Beziehung zu ihrem kleinen Sohn Ollie aufzubauen. Und dann wird es dramatisch... Da ist so wahnsinnig durchdacht und raffiniert aufgebaut, ich habe völlig fasziniert gelesen und gelesen und konnte überhaupt nicht aufhören.
Anita Terpstra: Anders, blanvalet
Ja, das hatte ich schon aus meiner Ferienlektüre empfohlen.
Brigitte Glaser: Bühlerhöhe, List Verlag
Und nun mein Highlight: Das ist soooo ein wunderbares Buch!! Es wird 1952 aus der Sicht dreier Frauen erzählt - einer jungen Israelin, die widerwillig zur Agentin wird, eines Zimmermädchens aus dem Schwarzwald und einer undurchsichtigen Hausdame im Luxushotel Bühlerhöhe - und ich bin tief in die unmittelbare Nachkriegsgeschichte eingetaucht.
Es gibt ja nicht so viele Bücher, die zu Beginn der 50er spielen, und ich fand den Kontrast zwischen den Nachwirkungen des Krieges und dem Lebenswillen der Wirtschaftswunderzeit sehr interessant. Auch die deutsch-israelische Geschichte und Politik dieser Zeit wird thematisiert und so gekonnt in die Romanhandlung eingearbeitet, dass ich die Zusammenhänge sehr gut verstehen konnte. Dazu schafft die Autorin ein farbiges und lebendiges Zeitbild - und eine überaus spannende Handlung um ein geplantes Attentat auf Kanzler Adenauer, der in der Bühlerhöhe zur Sommerfrische erwartet wird.
Dieses Buch werde ich zu Weihnachten wie verrückt empfehlen, so eine perfekte Mischung aus Zeitgeschichte, Spannung und Romanhandlung habe ich lange nicht mehr gefunden.
Donnerstag, 1. September 2016
Zurück aus dem Urlaub...
... habe ich euch lauter tolle Empfehlungen mitgebracht, meine Leseferien waren richtig super! Hier kommt erst mal das versprochene Urlaubsfoto, wir waren in Tirol in Österreich:
Ich hab ja nicht nur Neuerscheinungen mitgenommen, sondern auch einige ältere Titel von meiner "Wollte ich immer schon mal lesen"-Liste. Hier also meine Kommentare, und damit ihr euch keinen Wolf lesen müsst, jeweils in (fast) nur einem Satz:
Andreas Izquierdo: Das Glücksbüro, DuMont Taschenbuch
Ein modernes Märchen voller Poesie, mit lauter zauberhaften Einfällen und großem Wortwitz geschrieben, ein super Geschenktipp!
Anita Terpstra: Anders, Blanvalet Taschenbuch
Wirkliche spannende Geschichte um eine Familie, deren Sohn mit elf Jahren verschwindet und als Siebzehnjähriger wieder auftaucht - angenehm unaufgeregt und un-reißerisch geschrieben, aus dem Buchmesse-Partnerland Holland.
Margot S. Baumann: Die Frau in Rot, Knaur Taschenbuch
Ein Schmöker mit zwei Zeitebenen, ganz nett und unterhaltsam zu lesen.
A. L. Kennedy: Gleißendes Glück, dtv
Äh - literarischer Porno? Ziemlicher Schmuddelkram, wird gerade verfilmt, ich glaube das will ich nicht sehen (außerdem passiert so gut wie nix).
Denise Mina: Der Hintermann, Heyne Taschenbuch
Oh ja, ein genialer Krimi aus dem Glasgow der 80er - zwei Zehnjährige töten einen Dreijährigen und nur eine junge Möchtegern-Reporterin glaubt nicht dass das schon die ganze Geschichte war. Paddy Meehan, du bist eine Heldin! Ich bin schon beim nächsten Band...
Marian Izaguirre: Als die Träume noch uns gehörten, Fischer Taschenbuch
Mmmh, ich bin ein bisschen hin- und hergerissen mit diesem Hin und Her zwischen der High Society in England und Frankreich in den 30ern und Spanien in den 50ern, aber es hat so seine Momente, und einige richtig interessante Stellen.
Alexandra Oliva: Survive - Du bist allein, Scherz Taschenbuch
Da ist jemand aber ein großer Stephen King-Fan, das liest sich wie eine Mischung aus The Stand und Running Man mit deutlichen Anleihen bei den Tributen von Panem. Aber ganz unterhaltsam, vielleicht für ein lange Zugfahrt wo man es dann im Zug liegenlassen kann.
Sarah Moss: Schlaflos, Goldmann Taschenbuch
Das ist bestimmt ein gutes Buch. Ich war aber von den beiden Horror-Kindern und der verpeilten Mutter so genervt, dass ich das Buch nach zwei Anläufen weggelegt habe.
Susanna Mewe: Als meine Schwestern das Blaue vom Himmel holten, Aufbau
Naja, ganz süße Familiengeschichte, aber immer wieder haarscharf an der Realität vorbei und ein bisschen zu überkandidelt - wird bestimmt mal von Sixx verfilmt.
Nicci French: Blauer Montag, btb Taschenbuch
Die Frieda Klein-Reihe liebe ich, und ich wollte schon immer mal den ersten Teil lesen. Irgendwann nehme ich mir mal im November zwei Wochen frei und lese noch mal die komplette Reihe, aber dazu muss ich im Bett bleiben und draußen muss es regnen. Hach, ich freue mich jetzt schon drauf, ich werde Whiskey trinken und mit der Londoner Psychotherapeutin in die Hirne der Verbrecher eindringen.
Armistead Maupin: Michael Tolliver lebt / Mary Ann im Herbst, Rowohlt TB
Es gehört ja zu den großen Glücksmomenten im Leben, wenn in einer Reihe die man mag ein neuer Titel erscheint - wenn man neue Titel in einer Reihe entdeckt, die man für längst beendet gehalten hat, ist das kaum zu toppen! Das Wiedersehen mit allen Bewohnern der Barbary Lane war fast wie ein Klassentreffen, wie habe ich diese Bücher verschlungen. Als ich noch bei Rombach war, ist jeden Monat ein neuer Teil der Reihe erschienen und wir haben morgens immer vor dem Wareneingang rumgelungert, um den Kollegen die Bücher aus den Händen zu reißen. Hach, die Nostalgie! Aber schön zu lesen sind die Bücher immer noch.
Iain Levison: Gedankenjäger, Deuticke Verlag
So, und dieses Buch werde ich nächste Woche bei der Spätlese vorstellen. Wenn ihr wissen wollt, warum es so absolut megamega gut ist, kommt vorbei!
... habe ich euch lauter tolle Empfehlungen mitgebracht, meine Leseferien waren richtig super! Hier kommt erst mal das versprochene Urlaubsfoto, wir waren in Tirol in Österreich:
Schön, gell! Mit Dekowölkchen.
Ich hab ja nicht nur Neuerscheinungen mitgenommen, sondern auch einige ältere Titel von meiner "Wollte ich immer schon mal lesen"-Liste. Hier also meine Kommentare, und damit ihr euch keinen Wolf lesen müsst, jeweils in (fast) nur einem Satz:
Andreas Izquierdo: Das Glücksbüro, DuMont Taschenbuch
Ein modernes Märchen voller Poesie, mit lauter zauberhaften Einfällen und großem Wortwitz geschrieben, ein super Geschenktipp!
Anita Terpstra: Anders, Blanvalet Taschenbuch
Wirkliche spannende Geschichte um eine Familie, deren Sohn mit elf Jahren verschwindet und als Siebzehnjähriger wieder auftaucht - angenehm unaufgeregt und un-reißerisch geschrieben, aus dem Buchmesse-Partnerland Holland.
Margot S. Baumann: Die Frau in Rot, Knaur Taschenbuch
Ein Schmöker mit zwei Zeitebenen, ganz nett und unterhaltsam zu lesen.
A. L. Kennedy: Gleißendes Glück, dtv
Äh - literarischer Porno? Ziemlicher Schmuddelkram, wird gerade verfilmt, ich glaube das will ich nicht sehen (außerdem passiert so gut wie nix).
Denise Mina: Der Hintermann, Heyne Taschenbuch
Oh ja, ein genialer Krimi aus dem Glasgow der 80er - zwei Zehnjährige töten einen Dreijährigen und nur eine junge Möchtegern-Reporterin glaubt nicht dass das schon die ganze Geschichte war. Paddy Meehan, du bist eine Heldin! Ich bin schon beim nächsten Band...
Marian Izaguirre: Als die Träume noch uns gehörten, Fischer Taschenbuch
Mmmh, ich bin ein bisschen hin- und hergerissen mit diesem Hin und Her zwischen der High Society in England und Frankreich in den 30ern und Spanien in den 50ern, aber es hat so seine Momente, und einige richtig interessante Stellen.
Alexandra Oliva: Survive - Du bist allein, Scherz Taschenbuch
Da ist jemand aber ein großer Stephen King-Fan, das liest sich wie eine Mischung aus The Stand und Running Man mit deutlichen Anleihen bei den Tributen von Panem. Aber ganz unterhaltsam, vielleicht für ein lange Zugfahrt wo man es dann im Zug liegenlassen kann.
Sarah Moss: Schlaflos, Goldmann Taschenbuch
Das ist bestimmt ein gutes Buch. Ich war aber von den beiden Horror-Kindern und der verpeilten Mutter so genervt, dass ich das Buch nach zwei Anläufen weggelegt habe.
Susanna Mewe: Als meine Schwestern das Blaue vom Himmel holten, Aufbau
Naja, ganz süße Familiengeschichte, aber immer wieder haarscharf an der Realität vorbei und ein bisschen zu überkandidelt - wird bestimmt mal von Sixx verfilmt.
Nicci French: Blauer Montag, btb Taschenbuch
Die Frieda Klein-Reihe liebe ich, und ich wollte schon immer mal den ersten Teil lesen. Irgendwann nehme ich mir mal im November zwei Wochen frei und lese noch mal die komplette Reihe, aber dazu muss ich im Bett bleiben und draußen muss es regnen. Hach, ich freue mich jetzt schon drauf, ich werde Whiskey trinken und mit der Londoner Psychotherapeutin in die Hirne der Verbrecher eindringen.
Armistead Maupin: Michael Tolliver lebt / Mary Ann im Herbst, Rowohlt TB
Es gehört ja zu den großen Glücksmomenten im Leben, wenn in einer Reihe die man mag ein neuer Titel erscheint - wenn man neue Titel in einer Reihe entdeckt, die man für längst beendet gehalten hat, ist das kaum zu toppen! Das Wiedersehen mit allen Bewohnern der Barbary Lane war fast wie ein Klassentreffen, wie habe ich diese Bücher verschlungen. Als ich noch bei Rombach war, ist jeden Monat ein neuer Teil der Reihe erschienen und wir haben morgens immer vor dem Wareneingang rumgelungert, um den Kollegen die Bücher aus den Händen zu reißen. Hach, die Nostalgie! Aber schön zu lesen sind die Bücher immer noch.
Iain Levison: Gedankenjäger, Deuticke Verlag
So, und dieses Buch werde ich nächste Woche bei der Spätlese vorstellen. Wenn ihr wissen wollt, warum es so absolut megamega gut ist, kommt vorbei!
Donnerstag, 9. Juni 2016
Die Empfehlungen aus der letzten Spätlese
Benjamin Cors: Küstenstrich, dtv premium
Bei der vorletzten Spätlese hatte ich ja schon von "Strandgut" geschwärmt, und hier kommt die Fortsetzung. Ebenso spannend und dieses Mal brandaktuell, eine ebenso poetische Sprache und wieder viele skurille Wendungen, sowie wieder ein absoluter Cliffhanger zum Schluss - bitte bitte Herr Cors, schreiben Sie schneller, bringen Sie bald den dritten Band raus!
Ernest van der Kwast: Die Eismacher, btb
Hier kommt wieder mal eine Empfehlung, die Tiefgang mit Lesevergnügen verbindet, ein wundervolles Sommerbuch! Die Familie Talamini lebt im Winter zu Hause in den Dolomiten, im Sommer ziehen sie aber alle nach Rotterdam und betreiben dort eine Eisdiele. Kein einfaches Leben, hinter den köstlichen Eiskreationen steckt ein richtiger Knochenjob mit langen Arbeitstagen und harter Arbeit. Giovanni ist zwar der ältere Sohn und sollte die Familientradition fortführen, aber er steigt aus und wird Literaturwissenschaftler - ein Unding in der Familie! Weil er die Lyrik mehr liebt als das Eis, entzweit er sich auch mit seinem Bruder Luca. Bis eines Tages... (hinter diesen Pünktchen steckt natürlich eine Frau). Was mir hier so gefallen hat, ist die liebevolle und lebensnahe Sicht auf die Familie: Es gibt kein großes Drama, aber viele kleine, es gibt keine Endgültigkeiten, man macht halt irgendwie miteinander weiter, mal mehr, mal weniger. Und dann natürlich die Beschreibung der Eissorten, mmmmhhhhhhh!
Sandrone Dazieri: In der Finsternis, Piper Taschenbuch
Ich hatte mich ja schon festgelegt, dass "Neuntöter" der beste Krimi des Jahres ist. Und weil "In der Finsternis" schon 2015 erschienen ist und jetzt erst als Taschenbuch kommt, gilt das auch noch. Ich glaube, das war mein erster italienischer Krimiautor, und was für ein Debüt! Vielschichtig, superspannend und gut aufgelöst, aber das beste sind die beiden Hauptfiguren: Dante, der 11 Jahre lang entführt und eingesperrt war und nun ein Meister im Lesen von Körpersprache ist und die eigensinnige Polizistin Colomba. Beide ringen schwer mit sich und ihrer traumatischen Vergangenheit, aber sie sind echte Kämpfernaturen und darüber hinaus ein pefektes Duo. Wirklich ein Highlight unter den Krimis, und ich frage mal ganz vorsichtig: Wird es weitere Teile geben?
Antonia Hodgson: Das Teufelsloch, Knaur Taschenbuch
Historisches haben ich lange nicht mehr vorgeschlagen, aber dieses Buch ist eine Empfehlung wert! Die Handlung beruht auf historischen Tatsachen und das Bild von London 1727 ist nicht nur Kulisse für albernen Kram, sondern gut recherchiert und brilliant dargestellt. Man hört förmlich die Kutschen vorüberrumpeln... Und dann unser Tom: Tom Hawkins ist ein Pfarrerssohn, aber er liebt die Frauen, den Alkohol und das Glücksspiel und landet prompt im Schuldgefängnis. Um da wieder heil rauszukommen, erklärt er sich bereit einen Mord aufzuklären, was ihn aber noch tiefer in die Schwierigkeiten reitet. Mir hat neben der fesselnden Geschichte der Humor gefallen, und Tom wächst einem wirklich ans Herz, dieser Schwerenöter.
Manfred Zimmer: Herr Grün kocht
Jaha, endlich mal wieder eine Kochbuchempfehlung! Da war ja lange nix, aber ich fand die meisten Neuerscheinungen einfach zum Gähnen und der Funke ist nicht übergesprungen. So viele Kochbuch-Frösche musste ich küssen... Aber dann traf ich Herrn Grün, und oh lá lá, jetzt bin ich verliebt. Herr Grün kocht vorzüglich, ohne eine Riesenwelle drum zu machen, er benutzt Dinge, die in einer normalen Kücher auch vorkommen und Zubereitungszeiten, die einem Platz für ein Privatleben lassen. Und er hat Humor, selten habe ich so gelacht bei einem Kochbuch. Hach, der Herr Grün ist schon ein Traummann.
Und so ist mir auch erst auf Seite 68, als es schon um mich geschehen war, aufgefallen dass Herr Grün vegetarisch kocht. Tja, auch bei einer neuen Liebe muss man wahrscheinlich Abstriche machen. Die Gerichte sind aber trotzdem so toll, dass ich sie nicht mal zu Beilagen degradieren würde (sonst betrachte ich vegetarische Rezepte grundsätzlich als Anregung für Beilagen), sondern sie einfach so nachkoche. Und esse. Und hoffe, dass Herr Grün mal vorbeikommt.
P.S. Von Herrn Grün gibt es übrigens noch ein Buch, die Foodfantasien. Das ultimative Geschenk für jeden, der gerne kocht! Schaut mal, ist das nicht entzückend?
Bildquelle: Fischer Verlag
Freitag, 15. April 2016
Empfehlungen aus der Spätlese
Am Dienstag war wieder Spätlese, und es ist mir richtig schwer gefallen nur fünf Bücher auszusuchen - letztendlich wurde es ein 5 + 1:
"Wolken wegschieben" ist das neue Buch von Rowan Coleman; von ihr mochte ich "Einfach unvergesslich" und "Zwanzig Zeilen Liebe" ja schon sehr gerne. Und das neue gefällt mir fast noch besser! Hier geht es um Willow, die ihr Leben sozusagen mit angezogener Handbremse lebt. Das wird ihr selbst aber erst deutlich, als einige sehr unvorhergesehene Ereignisse sie rüde aus ihrer Komfortzone stossen. Sie beschliesst also, einige Altlasten in ihrem Leben aufzuräumen, denn - und das fand ich ganz berührend - sie kann sich nicht mehr daran erinnern, wann sie zum letzten Mal so richtig gelacht hat. Und ihr Lachen möchte sie wiederhaben! Das kommt leichtfüßig daher, ist aber reflektiert und angenehm unaufgeregt geschrieben. Die Autorin schafft es erstaunlich gut, Klischees zu vermeiden und nicht in die Harmoniefalle zu tappen, und trotzdem sehr unterhaltsame Geschichten zu erzählen.
Von "Kirschblüten und rote Bohnen" hatte ich ja neulich schon geschwärmt, deshalb gleich weiter zu "Der Pfau" von Isabel Bogdan. Was hab ich mit diesem Buch gelacht! Das ist perfekter englischer Humor und ein großartiges Geschenk an alle Business-Helden, die schon mal zu Teamentwicklungsmaßnahmen gezwungen wurden (oder wie ich welche moderieren durften). Hier reisen vier Londoner Banker mit ihrer Chefin, einer Moderatorin und einer Köchin in die schottischen Lowlands, um im tendenziell ungeheizten Landsitz von Lord und Lady McIntosh zu einem besseren Miteinander zu finden. Leider steht das Vorhaben unter keinem guten Stern, und ein verrückt gewordener Pfau setzt eine dramatische Kette von völlig absurden Ereignissen in Gang. Ein Appetithäppchen: Was tut wohl eine Köchin, wenn sie heimlich einen Pfau verschwinden lassen muss? Ich habe mich jedenfalls göttlich amüsiert und kann euch das Buch nur wärmstens ans Herz legen.
Auch Melanie Raabes "Die Falle" habe ich bei Erscheinen der gebundenen Ausgabe schon gefeiert und klaue daher mal wieder bei mir selbst aus meiner damaligen Buchvorstellung:
Ich bin wirklich keine ängstliche Person, aber beim Lesen von Melanie Raabes "Die Falle" dachte ich neulich Abend mal kurz, oh oh ich bin ja ganz allein zu Hause und draussen ist es schon dunkel und bibberbibber... gar nicht, weil das Buch so gruselige Stellen hätte, aber die ganze Atmosphäre ist so beklemmend und angespannt. Es geht um eine Schriftstellerin, die vor 11 Jahren ihre Schwester ermordet gefunden hat und seitdem völlig traumatisiert ihr Haus nicht mehr verlassen hat. Nun sieht sie eines Abends den Mörder, den sie damals fast überrumpelt hätte, im Fernsehen und beschließt, ihn zu einem Geständnis zu zwingen. Da lädt sie ihn zu einem Interview zu sich in ihr Haus ein. Brrrrrrr, mir läuft es schon wieder eiskalt den Rücken runter. Ein wahnsinnig intelligenter Krimi mit vielen Ebenen und Wirklichkeiten, trotzdem stringent erzählt und mit vielen Stellen, die ich vor Begeisterung gleich mehrmal gelesen habe. Allein, wie sie sich auf das Interview vorbereitet! Ein wirklich tolles Buch, ich glaube auch für Leute, die sonst eher keine Krimis mögen.
Und dann noch das neue von Kristina Ohlsson: "Papierjunge". Ein ganz toller Krimi um zwei verschwundene Jungen. Was haben die beiden gemeinsam? Fredrika Bergman und Alex Recht finden heraus, dass die Eltern der beiden sich schon in einem Kibbuz kannten und gemeinsam nach Schweden ausgewandert sind, und suchen nun die Auflösung in der Vergangenheit und in Israel. Hier hat mich neben den sympathischen und interessanten Ermittlern und Nebenfiguren und dem packenden Fall vor allem der Spannungsbogen fasziniert: Es gibt mehrere Erzählebenen, die in einem wirklich atemlosen Finale zusammenlaufen. Die ganze Bergman-Recht-Reihe ist sehr lesenswert, und diesen finde ich fast den besten Band!
Am Dienstag war wieder Spätlese, und es ist mir richtig schwer gefallen nur fünf Bücher auszusuchen - letztendlich wurde es ein 5 + 1:
"Wolken wegschieben" ist das neue Buch von Rowan Coleman; von ihr mochte ich "Einfach unvergesslich" und "Zwanzig Zeilen Liebe" ja schon sehr gerne. Und das neue gefällt mir fast noch besser! Hier geht es um Willow, die ihr Leben sozusagen mit angezogener Handbremse lebt. Das wird ihr selbst aber erst deutlich, als einige sehr unvorhergesehene Ereignisse sie rüde aus ihrer Komfortzone stossen. Sie beschliesst also, einige Altlasten in ihrem Leben aufzuräumen, denn - und das fand ich ganz berührend - sie kann sich nicht mehr daran erinnern, wann sie zum letzten Mal so richtig gelacht hat. Und ihr Lachen möchte sie wiederhaben! Das kommt leichtfüßig daher, ist aber reflektiert und angenehm unaufgeregt geschrieben. Die Autorin schafft es erstaunlich gut, Klischees zu vermeiden und nicht in die Harmoniefalle zu tappen, und trotzdem sehr unterhaltsame Geschichten zu erzählen.
Von "Kirschblüten und rote Bohnen" hatte ich ja neulich schon geschwärmt, deshalb gleich weiter zu "Der Pfau" von Isabel Bogdan. Was hab ich mit diesem Buch gelacht! Das ist perfekter englischer Humor und ein großartiges Geschenk an alle Business-Helden, die schon mal zu Teamentwicklungsmaßnahmen gezwungen wurden (oder wie ich welche moderieren durften). Hier reisen vier Londoner Banker mit ihrer Chefin, einer Moderatorin und einer Köchin in die schottischen Lowlands, um im tendenziell ungeheizten Landsitz von Lord und Lady McIntosh zu einem besseren Miteinander zu finden. Leider steht das Vorhaben unter keinem guten Stern, und ein verrückt gewordener Pfau setzt eine dramatische Kette von völlig absurden Ereignissen in Gang. Ein Appetithäppchen: Was tut wohl eine Köchin, wenn sie heimlich einen Pfau verschwinden lassen muss? Ich habe mich jedenfalls göttlich amüsiert und kann euch das Buch nur wärmstens ans Herz legen.
Auch Melanie Raabes "Die Falle" habe ich bei Erscheinen der gebundenen Ausgabe schon gefeiert und klaue daher mal wieder bei mir selbst aus meiner damaligen Buchvorstellung:
Ich bin wirklich keine ängstliche Person, aber beim Lesen von Melanie Raabes "Die Falle" dachte ich neulich Abend mal kurz, oh oh ich bin ja ganz allein zu Hause und draussen ist es schon dunkel und bibberbibber... gar nicht, weil das Buch so gruselige Stellen hätte, aber die ganze Atmosphäre ist so beklemmend und angespannt. Es geht um eine Schriftstellerin, die vor 11 Jahren ihre Schwester ermordet gefunden hat und seitdem völlig traumatisiert ihr Haus nicht mehr verlassen hat. Nun sieht sie eines Abends den Mörder, den sie damals fast überrumpelt hätte, im Fernsehen und beschließt, ihn zu einem Geständnis zu zwingen. Da lädt sie ihn zu einem Interview zu sich in ihr Haus ein. Brrrrrrr, mir läuft es schon wieder eiskalt den Rücken runter. Ein wahnsinnig intelligenter Krimi mit vielen Ebenen und Wirklichkeiten, trotzdem stringent erzählt und mit vielen Stellen, die ich vor Begeisterung gleich mehrmal gelesen habe. Allein, wie sie sich auf das Interview vorbereitet! Ein wirklich tolles Buch, ich glaube auch für Leute, die sonst eher keine Krimis mögen.
Und dann noch das neue von Kristina Ohlsson: "Papierjunge". Ein ganz toller Krimi um zwei verschwundene Jungen. Was haben die beiden gemeinsam? Fredrika Bergman und Alex Recht finden heraus, dass die Eltern der beiden sich schon in einem Kibbuz kannten und gemeinsam nach Schweden ausgewandert sind, und suchen nun die Auflösung in der Vergangenheit und in Israel. Hier hat mich neben den sympathischen und interessanten Ermittlern und Nebenfiguren und dem packenden Fall vor allem der Spannungsbogen fasziniert: Es gibt mehrere Erzählebenen, die in einem wirklich atemlosen Finale zusammenlaufen. Die ganze Bergman-Recht-Reihe ist sehr lesenswert, und diesen finde ich fast den besten Band!
Ja, und dann mein Edeljoker, die +1: Der neue Roman von John Irving ist da! "Straße der Wunder" ist ein typischer "später" Irving, für viele hört es ja bei der "Witwe für ein Jahr" auf mit dem Lesevergnügen. Aber ganz ehrlich, sein Schreibstil ist einfach unerreicht! Da ist mir fast egal, über was er schreibt... Hier geht es um einen älteren Schriftsteller, und in vielen Szenen nimmt er sich selbst und die älteren Bücher wie "Zirkuskind" ein bisschen auf die Schippe, sehr lustig! Auch die üblichen Verdächtigen wie der väterliche Freund und Mentor, die zornige junge Frau, die Prostituierte undsoweiter kommen wieder vor, fast wie bei einem Klasssentreffen. Und ich mag die Stimmung in dem Roman, das Nirgendwo-dazugehören, das Dazwischen. So viele kluge Gedanken auf engem Raum! Im Vorfeld hatte ich eine Diskussionsrunde mit Gert Scobel und drei sehr aufgeregten Damen gesehen, die sich fürchterlich über die Unglaubwürdigkeit der Geschichte und die Pornografie in dem Buch aufgeregt haben, aber hey, das ist John Irving, so schlimm ist es nicht. Und, um den Meister selbst mal zu zitieren: Das echte Leben ist zu schluderig, um als Modell für gute Fiktion zu taugen.
Montag, 21. März 2016
Büchertagebuch
Während ich gerade alle möglichen Bücher zum Bau von Hochbeeten gelesen habe, war dazwischen natürlich auch noch Zeit für ein paar Romane.
Sehr schön und ganz besonders fand ich "Kirschblüten und rote Bohnen" von Durian Sukegawa (na klar, Dumont Verlag - hier gefallen mir fast alle Bücher). Die japanische Kultur interessiert mich sehr und in diesem kleinen Roman wird sie so gut spürbar. Der Erzählstil kam mir deutlich anders vor als in unserern westlich geprägten Romanen, es gibt weniger konkrete Handlung und die Geschichte hat eigentlich auch keinen klar definierten Anfang und kein Ende. Statt dessen widmet sie sich alltäglichen Dingen und kleinen Beobachtungen (und dem Essen!) in einer wunderschönen, poetischen Sprache. Achtsamkeit kann ich ja so gar nicht mehr hören, aber hier geht es um Aufmerksamkeit - das Buch ist wie eine kleine Meditation im Alltag und ein wunderbares Geschenk!
Owen Sheers "I saw a man" (Verlag DVA) fand ich komplett belanglos und oberflächlich. Dabei ist die Grundidee gut: Ein Schriftsteller zieht nach dem Tod seiner Frau nach London und befreundet sich eng mit der Nachbarsfamilie. Er geht im Haus ein und aus, so auch eines Tages als er vermeintlich allein drüben ist und ein Werkzeug sucht. Achtung Spoiler: Dabei erschreckt er die kleine Tochter der Familie, so dass sie rückwärts die Treppe runterfällt und stirbt. Er verschwindet und verschweigt seine Anwesenheit, so dass alle von einem Unfall ausgehen. Eigentlich hätte ihr Vater im Haus sein sollen, der hatte sich aber zu einem Treffen mit seiner Geliebten geschlichen, und wird nun dem Nachbarn gegenüber misstrauisch. Dann kommt noch ein amerikanischer Drohnenpilot ins Spiel, der den Tod der Frau des Autors verschuldet hat.
Die Geschichte kam mir so vermurkst vor und hab mich die ganze Zeit gefragt, auf was der Autor hier eigentlich hinaus will. Ich fand es weder psychologisch interessant noch tiefgehend, sondern viel Blabla, die Figuren bleiben blass und kommen total gewollt daher, und nur wenige Szenen fand ich interessant geschildert. Was für einen geniales Buch hätte man aber aus dieser Geschichte machen können!
Nicht genial, aber doch ein solider und unterhaltsamer Krimi ist "Locked in" von Holly Seddon (Heyne Verlag). Im Stil von "Girl on the train" geht es um eine Journalistin, die dringend eine Geschichte braucht. Sie stößt auf ein Mädchen, das mit 15 überfallen wurde und nun seit zehn Jahren im Koma liegt, und möchte rausfinden was ihr damals passiert ist. Gleichzeitig versucht ein Arzt, per CT-Scans Hirnaktivitäten nachzuweisen und diese für die Beantwortung von Ja-Nein-Fragen zu nutzen. Damit könnte dann nämlich auch eine Komapatientin einen Täter überführen, wenn man ihr nur die richtigen Fragen stellen würde. Die Hauptfigur hat mir hier besonders gut gefallen, weil sie weder so eine Superfrau noch ein totaler Psycho ist.
"Eine fast perfekte Familie" von Meg Mitchell Moore (Verlag Bloomsbury Berlin) ist wie eine Fernsehserie rund um eine total sympathische Familie mit dem einen oder anderen Problem. Das Buch hat einen guten Stil, ich mochte die Spannungsbogen und alle Personen, aber es ist nun auch kein Buch, das mir ewig im Gedächtnis bleiben wird. Aber nette Unterhaltung für Zwischendurch ist es allemal und ich glaube, es würde auch Männern und Teenager-Töchtern gefallen. Wartet einfach auf's Taschenbuch!
Eher bleiben mir da schon "Die wahren Märchen meines Lebens" von Barbara Fiorio (Thiele Verlag) im Sinn, eine wunderbare Geschichte über eine gestresste Werbetexterin, die mit Kindern so gar nichts am Hut hat und doch plötzlich der kleinen Nachbarstochter Gute-Nacht-Geschichten erzählen muss. Also verrät sie ihr die wahren Märchen, in denen Prinzessinnen dumme Puten sind und Prinzen so richtige Deppen. Herrlich, und auch die Hintergründe - warum ist die Kleine Nachts allein, warum reagiert die Mutter so hysterisch, als sie von der Bekanntschaft erfährt - fand ich sehr gut aufgelöst. Und dann ist es noch eine wunder-wunderbare Liebesgeschichte! Das ist so ein Buch für die beste Freundin.
Für die (Schwieger-) Mutter ideal ist "Drei mal wir" von Laura Barnett (Kindler Verlag). Hier wird die Liebes- und Lebensgeschichte eines Paares in drei Varianten erzählt: Einmal heiraten die beiden als junge Studenten, einmal verlieren sie sich nach einer flüchtigen Begegnung gleich wieder aus den Augen und einmal haben sie nur eine kurze Beziehung, bevor sie wieder auseinander gehen. Wie sich ihre Leben mit- und ohneeinander entwickeln, wird parallel erzählt, nur die zeitliche Anordnung der einzelnen Szenen ist jeweils gleich.
Das fand ich erzählerisch sehr interessant, und dank einer schönen Farbgebung lassen sich die drei Erzählstränge auch sehr gut auseinander halten. Jede Geschichte für sich ist berührend und sprachlich hat mir das Buch sehr gut gefallen. Viel Stoff zum Nachdenken und zum Diskutieren, auch wenn vielleicht das eine oder andere Klischee zu viel dabei war.
Während ich gerade alle möglichen Bücher zum Bau von Hochbeeten gelesen habe, war dazwischen natürlich auch noch Zeit für ein paar Romane.
Sehr schön und ganz besonders fand ich "Kirschblüten und rote Bohnen" von Durian Sukegawa (na klar, Dumont Verlag - hier gefallen mir fast alle Bücher). Die japanische Kultur interessiert mich sehr und in diesem kleinen Roman wird sie so gut spürbar. Der Erzählstil kam mir deutlich anders vor als in unserern westlich geprägten Romanen, es gibt weniger konkrete Handlung und die Geschichte hat eigentlich auch keinen klar definierten Anfang und kein Ende. Statt dessen widmet sie sich alltäglichen Dingen und kleinen Beobachtungen (und dem Essen!) in einer wunderschönen, poetischen Sprache. Achtsamkeit kann ich ja so gar nicht mehr hören, aber hier geht es um Aufmerksamkeit - das Buch ist wie eine kleine Meditation im Alltag und ein wunderbares Geschenk!
Owen Sheers "I saw a man" (Verlag DVA) fand ich komplett belanglos und oberflächlich. Dabei ist die Grundidee gut: Ein Schriftsteller zieht nach dem Tod seiner Frau nach London und befreundet sich eng mit der Nachbarsfamilie. Er geht im Haus ein und aus, so auch eines Tages als er vermeintlich allein drüben ist und ein Werkzeug sucht. Achtung Spoiler: Dabei erschreckt er die kleine Tochter der Familie, so dass sie rückwärts die Treppe runterfällt und stirbt. Er verschwindet und verschweigt seine Anwesenheit, so dass alle von einem Unfall ausgehen. Eigentlich hätte ihr Vater im Haus sein sollen, der hatte sich aber zu einem Treffen mit seiner Geliebten geschlichen, und wird nun dem Nachbarn gegenüber misstrauisch. Dann kommt noch ein amerikanischer Drohnenpilot ins Spiel, der den Tod der Frau des Autors verschuldet hat.
Die Geschichte kam mir so vermurkst vor und hab mich die ganze Zeit gefragt, auf was der Autor hier eigentlich hinaus will. Ich fand es weder psychologisch interessant noch tiefgehend, sondern viel Blabla, die Figuren bleiben blass und kommen total gewollt daher, und nur wenige Szenen fand ich interessant geschildert. Was für einen geniales Buch hätte man aber aus dieser Geschichte machen können!
Nicht genial, aber doch ein solider und unterhaltsamer Krimi ist "Locked in" von Holly Seddon (Heyne Verlag). Im Stil von "Girl on the train" geht es um eine Journalistin, die dringend eine Geschichte braucht. Sie stößt auf ein Mädchen, das mit 15 überfallen wurde und nun seit zehn Jahren im Koma liegt, und möchte rausfinden was ihr damals passiert ist. Gleichzeitig versucht ein Arzt, per CT-Scans Hirnaktivitäten nachzuweisen und diese für die Beantwortung von Ja-Nein-Fragen zu nutzen. Damit könnte dann nämlich auch eine Komapatientin einen Täter überführen, wenn man ihr nur die richtigen Fragen stellen würde. Die Hauptfigur hat mir hier besonders gut gefallen, weil sie weder so eine Superfrau noch ein totaler Psycho ist.
"Eine fast perfekte Familie" von Meg Mitchell Moore (Verlag Bloomsbury Berlin) ist wie eine Fernsehserie rund um eine total sympathische Familie mit dem einen oder anderen Problem. Das Buch hat einen guten Stil, ich mochte die Spannungsbogen und alle Personen, aber es ist nun auch kein Buch, das mir ewig im Gedächtnis bleiben wird. Aber nette Unterhaltung für Zwischendurch ist es allemal und ich glaube, es würde auch Männern und Teenager-Töchtern gefallen. Wartet einfach auf's Taschenbuch!
Eher bleiben mir da schon "Die wahren Märchen meines Lebens" von Barbara Fiorio (Thiele Verlag) im Sinn, eine wunderbare Geschichte über eine gestresste Werbetexterin, die mit Kindern so gar nichts am Hut hat und doch plötzlich der kleinen Nachbarstochter Gute-Nacht-Geschichten erzählen muss. Also verrät sie ihr die wahren Märchen, in denen Prinzessinnen dumme Puten sind und Prinzen so richtige Deppen. Herrlich, und auch die Hintergründe - warum ist die Kleine Nachts allein, warum reagiert die Mutter so hysterisch, als sie von der Bekanntschaft erfährt - fand ich sehr gut aufgelöst. Und dann ist es noch eine wunder-wunderbare Liebesgeschichte! Das ist so ein Buch für die beste Freundin.
Für die (Schwieger-) Mutter ideal ist "Drei mal wir" von Laura Barnett (Kindler Verlag). Hier wird die Liebes- und Lebensgeschichte eines Paares in drei Varianten erzählt: Einmal heiraten die beiden als junge Studenten, einmal verlieren sie sich nach einer flüchtigen Begegnung gleich wieder aus den Augen und einmal haben sie nur eine kurze Beziehung, bevor sie wieder auseinander gehen. Wie sich ihre Leben mit- und ohneeinander entwickeln, wird parallel erzählt, nur die zeitliche Anordnung der einzelnen Szenen ist jeweils gleich.
Das fand ich erzählerisch sehr interessant, und dank einer schönen Farbgebung lassen sich die drei Erzählstränge auch sehr gut auseinander halten. Jede Geschichte für sich ist berührend und sprachlich hat mir das Buch sehr gut gefallen. Viel Stoff zum Nachdenken und zum Diskutieren, auch wenn vielleicht das eine oder andere Klischee zu viel dabei war.
Mittwoch, 9. März 2016
Empfehlungen aus der Spätlese
Gestern war wieder Spätlese in der Auslese, und hier kommen noch mal meine Empfehlungen für alle, die nicht dabei sein konnten:
Juli Zeh: Unterleuten, Luchterhand Verlag
Dieses Buch ist mein neues "Altes Land"! Zur Erklärung: Schon damals während der Lektüre von "Altes Land" von Dörte Hansen bin ich schier ausgeflippt vor Begeisterung und das Buch ist bis heute mein Bestseller hier in der Auslese, das ich immer gerne empfehle.
Jetzt kommt aber ernstzunehmende Konkurrenz: "Unterleuten" von Juli Zeh ist einfach großartig, ein unterhaltsames, schlaues, tiefgründiges und witziges Buch über ein Dorf in Brandenburg, in dem Alteingesessene und Zugezogene einigermaßen harmonisch zusammen leben, bis ein geplanter Windpark den Ort spaltet. Die fein gezeichneten Figuren und genau beobachteten Situationen haben mich so begeistert, dass ich schon im Urlaub beim Lesen quer durch den Wellness-Bereich gejauchzt habe vor Entzücken. Dieses Buch werde ich wieder wie verrückt empfehlen, so gut hat es mir gefallen.
Manchmal möchte ich nach der Lektüre den Autor oder die Autorin am liebsten feste drücken, und so auch hier: Vielen vielen Dank liebe Juli Zeh für dieses tolle Buch!!
Ule Hansen: Neuntöter, Heyne Verlag
Letzten Samstag hat die Badische Zeitung dieses Buch so richtig runter gemacht. Tja, mir allerdings hat es supergut gefallen und ich habe es bereits im Februar zum besten Krimi des Jahres erklärt - so sind die Geschmäcker halt verschieden.
Ich suche in einem Krimi aber auch nicht nach hohem literarischen Anspruch, sondern nach einer packenden Handlung, interessanten Figuren und einer nachvollziehbaren Auflösung, und all das habe ich hier gefunden. Dass Serienmörder laut BZ out sind und im Buch Dinge vorkommen, die es so im normalen Polizeialltag nicht geben würde, kann ich verkraften, und die Hauptfigur fand ich gerade wegen ihres starken Eigensinns so faszinierend. Emma Carow kämpft selbst mit Dämonen aus ihrer Vergangenheit, als sie als Fallanalytikerin in mysteriösen Serienmorden ermittelt: Leichen werden in Kokons aus Klebeband verpackt und in hohen Gebäuden aufgehängt wie seltsame Insekten. Bei der Obduktion werden dann in den Kokons quasi Grabbeigaben gefunden, die zeigen dass die Personen nicht zufälllig ausgewählt wurden - aber was haben sie gemeinsam?
Ich hoffe jedenfalls, dass Neuntöter der Auftakt zu einer Serie ist, aus dieser Reihe würde ich gerne noch mehr lesen!
Eve Chase: Black Rabbit Hall, Blanvalet Verlag
Von diesem Buch war ich richtig fasziniert! Die Zutaten - verfallenes englisches Herrenhaus, dunkle Geheimnisse in glamurösen Familien, zwei Zeitebenen - hat man gefühlt schon tausendfach gelesen und Autorinnen wie Lucinda Riley und Kate Morton haben das Feld eigentlich schon komplett abgegrast. Eve Chase macht daraus aber tatsächlich eine ganz neue Geschichte, die ich unglaublich gerne gelesen habe.
Zum einen, weil ich hier nicht von Anfang an sicher war, worauf das Ganze hinaus läuft, und zum anderen, weil mir ihr Schreibstil so gut gefallen hat. Das war so ein Buch, mit dem ich abends um acht Uhr ins Bett gegangen bin, weil ich unbedingt wissen wollte wie es mit der Familie Alton und Lorna weiter geht...
Bonuspunkte bekommt das Buch übrigens noch für seine wunderschöne Covergestaltung, die das Thema der zwei Zeitebenen aufgreift, das müsst ihr euch hier im Laden mal anschauen kommen.
Mark Billingham: Die Lügen der Anderen, Heyne Taschenbuch
Da ich dieses Buch letztes Jahr schon als gebundene Ausgabe besprochen habe, klaue ich einfach mal bei mir selbst:
Und wieder ein Krimi: "Die Lügen der Anderen" von Mark Billingham. Fand ich sehr gut! Drei englische Paare lernen sich im Urlaub in Florida kennen und treffen sich zurück in England reihum zum Abendessen. Dabei reden sie vor allem über ein Mädchen, das während ihres Aufenthalts verschwand und später tot aufgefunden wird. Eine junge und hochmotivierte Polizistin befragt die sechs als Zeugen und findet einige Ungereimtheiten - umso mehr, als in England ein ähnlicher Mord geschieht.
Susanne Mischke: Die Eisheilige, Berliner Taschenbuch Verlag
Was hab ich mich gefreut, als dieses Buch wieder neu aufgelegt worden ist! Das ist eins meiner ganz alten Lieblingsbücher, das leider lange vergriffen war. Die Geschichte um Sophie ist wirklich fies: Sie scheint ein ganz stilles Wasser zu sein, kann als gelernte Tierpräparatorin aber fantastisch nähen. Ihre Kleider bringen in jeder Frau das Schönste zur Geltung, und als dann noch bekannt wird, dass sie unliebsamen Zeitgenossen erfolgreich den Tod wünschen kann, kennen die Damen der Nachbarschaft kein Halten mehr. Auch Sophies Ehemann überspannt den Bogen und verschwindet unter eher ungeklärten Umständen. Als die Polizei sie später fragt, warum sie ihn denn nicht als vermisst gemeldet hat, sagt Sophie: Weil ich ihn nicht vermisst habe.
Susanne Mischke muss ich mir immer am Schreibtisch vorstellen, wie sie beim Schreiben hämisch in sich reinkichert, wenn ihr was besonders Perfides eingefallen ist. Und mir gefällt auch, dass sie nicht alles erklärt und manche Dinge einfach in der Schwebe lässt, man muss ja nicht immer mit dem Holzhammer draufhauen, bis jedes Fitzelchen gesagt ist. Diese Geschichte ist jedenfalls grandios überzeichnet und ein richtiger Lesespaß.
Gestern war wieder Spätlese in der Auslese, und hier kommen noch mal meine Empfehlungen für alle, die nicht dabei sein konnten:
Juli Zeh: Unterleuten, Luchterhand Verlag
Dieses Buch ist mein neues "Altes Land"! Zur Erklärung: Schon damals während der Lektüre von "Altes Land" von Dörte Hansen bin ich schier ausgeflippt vor Begeisterung und das Buch ist bis heute mein Bestseller hier in der Auslese, das ich immer gerne empfehle.
Jetzt kommt aber ernstzunehmende Konkurrenz: "Unterleuten" von Juli Zeh ist einfach großartig, ein unterhaltsames, schlaues, tiefgründiges und witziges Buch über ein Dorf in Brandenburg, in dem Alteingesessene und Zugezogene einigermaßen harmonisch zusammen leben, bis ein geplanter Windpark den Ort spaltet. Die fein gezeichneten Figuren und genau beobachteten Situationen haben mich so begeistert, dass ich schon im Urlaub beim Lesen quer durch den Wellness-Bereich gejauchzt habe vor Entzücken. Dieses Buch werde ich wieder wie verrückt empfehlen, so gut hat es mir gefallen.
Manchmal möchte ich nach der Lektüre den Autor oder die Autorin am liebsten feste drücken, und so auch hier: Vielen vielen Dank liebe Juli Zeh für dieses tolle Buch!!
Ule Hansen: Neuntöter, Heyne Verlag
Letzten Samstag hat die Badische Zeitung dieses Buch so richtig runter gemacht. Tja, mir allerdings hat es supergut gefallen und ich habe es bereits im Februar zum besten Krimi des Jahres erklärt - so sind die Geschmäcker halt verschieden.
Ich suche in einem Krimi aber auch nicht nach hohem literarischen Anspruch, sondern nach einer packenden Handlung, interessanten Figuren und einer nachvollziehbaren Auflösung, und all das habe ich hier gefunden. Dass Serienmörder laut BZ out sind und im Buch Dinge vorkommen, die es so im normalen Polizeialltag nicht geben würde, kann ich verkraften, und die Hauptfigur fand ich gerade wegen ihres starken Eigensinns so faszinierend. Emma Carow kämpft selbst mit Dämonen aus ihrer Vergangenheit, als sie als Fallanalytikerin in mysteriösen Serienmorden ermittelt: Leichen werden in Kokons aus Klebeband verpackt und in hohen Gebäuden aufgehängt wie seltsame Insekten. Bei der Obduktion werden dann in den Kokons quasi Grabbeigaben gefunden, die zeigen dass die Personen nicht zufälllig ausgewählt wurden - aber was haben sie gemeinsam?
Ich hoffe jedenfalls, dass Neuntöter der Auftakt zu einer Serie ist, aus dieser Reihe würde ich gerne noch mehr lesen!
Eve Chase: Black Rabbit Hall, Blanvalet Verlag
Von diesem Buch war ich richtig fasziniert! Die Zutaten - verfallenes englisches Herrenhaus, dunkle Geheimnisse in glamurösen Familien, zwei Zeitebenen - hat man gefühlt schon tausendfach gelesen und Autorinnen wie Lucinda Riley und Kate Morton haben das Feld eigentlich schon komplett abgegrast. Eve Chase macht daraus aber tatsächlich eine ganz neue Geschichte, die ich unglaublich gerne gelesen habe.
Zum einen, weil ich hier nicht von Anfang an sicher war, worauf das Ganze hinaus läuft, und zum anderen, weil mir ihr Schreibstil so gut gefallen hat. Das war so ein Buch, mit dem ich abends um acht Uhr ins Bett gegangen bin, weil ich unbedingt wissen wollte wie es mit der Familie Alton und Lorna weiter geht...
Bonuspunkte bekommt das Buch übrigens noch für seine wunderschöne Covergestaltung, die das Thema der zwei Zeitebenen aufgreift, das müsst ihr euch hier im Laden mal anschauen kommen.
Mark Billingham: Die Lügen der Anderen, Heyne Taschenbuch
Da ich dieses Buch letztes Jahr schon als gebundene Ausgabe besprochen habe, klaue ich einfach mal bei mir selbst:
Und wieder ein Krimi: "Die Lügen der Anderen" von Mark Billingham. Fand ich sehr gut! Drei englische Paare lernen sich im Urlaub in Florida kennen und treffen sich zurück in England reihum zum Abendessen. Dabei reden sie vor allem über ein Mädchen, das während ihres Aufenthalts verschwand und später tot aufgefunden wird. Eine junge und hochmotivierte Polizistin befragt die sechs als Zeugen und findet einige Ungereimtheiten - umso mehr, als in England ein ähnlicher Mord geschieht.
Die Krimihandlung mit der "Wer war es"-Frage stand für mich gar nicht
so im Vordergrund, viel interessanter fand ich die Schilderungen rund um
die drei Paare und deren Lebensgewohnheiten und Absonderlichkeiten. Es
wird nicht jeder Erzählstrang aufgelöst, aber auch das mag ich. Und die
Erkenntnis, dass sich Paare mit anderen Paaren treffen, nur um davor und
danach über einander herziehen zu können... tststs.
Susanne Mischke: Die Eisheilige, Berliner Taschenbuch Verlag
Was hab ich mich gefreut, als dieses Buch wieder neu aufgelegt worden ist! Das ist eins meiner ganz alten Lieblingsbücher, das leider lange vergriffen war. Die Geschichte um Sophie ist wirklich fies: Sie scheint ein ganz stilles Wasser zu sein, kann als gelernte Tierpräparatorin aber fantastisch nähen. Ihre Kleider bringen in jeder Frau das Schönste zur Geltung, und als dann noch bekannt wird, dass sie unliebsamen Zeitgenossen erfolgreich den Tod wünschen kann, kennen die Damen der Nachbarschaft kein Halten mehr. Auch Sophies Ehemann überspannt den Bogen und verschwindet unter eher ungeklärten Umständen. Als die Polizei sie später fragt, warum sie ihn denn nicht als vermisst gemeldet hat, sagt Sophie: Weil ich ihn nicht vermisst habe.
Susanne Mischke muss ich mir immer am Schreibtisch vorstellen, wie sie beim Schreiben hämisch in sich reinkichert, wenn ihr was besonders Perfides eingefallen ist. Und mir gefällt auch, dass sie nicht alles erklärt und manche Dinge einfach in der Schwebe lässt, man muss ja nicht immer mit dem Holzhammer draufhauen, bis jedes Fitzelchen gesagt ist. Diese Geschichte ist jedenfalls grandios überzeichnet und ein richtiger Lesespaß.
Mittwoch, 2. März 2016
Büchertagebuch
So, nach der ganzen Auftregung wird jetzt mal wieder was geschafft, in meinem Sinne: gelesen! Heute habe ich drei Tipps für euch:
Ganz gut gefallen hat mir von Melanie Sumner: Eine Therapie für Aristoteles, Dumont Verlag. Eine Familiengeschichte um eine alleinerziehende Mutter mit zwei Kindern und allerlei Turbulenzen, die von der zwölfjähigen Tochter Aris erzählt wird. Für zwölf ist sie ganz schön schlau, aber das muss sie bei der Familie auch sein! Ihre Mutter ist ein bisschen überfordert, aber so grundsympathisch, dass ich sie gerne mal fest drücken würde. Ihr Bruder ist eher seltsam, aber das ebenfalls auf wirklich witzige Art, und die Dialoge sind zum Teil einfach köstlich. Das Buch liest sich ganz locker und hat ein super Timing, auch wenn eigentlich nicht viel passiert. Hier würde ich euch tatsächlich empfehlen, auf das Taschenbuch zu warten, und ich rätsel immer noch, was der deutsche Titel eigentlich bedeuten soll. Aber egal, es macht Spaß und bringt einen netten Lesenachmittag. Das Buch ist quasi der leichtherzige Zwilling von Lisa O'Donnells "Die Geheimnisse der Welt", auch hier von einem Kind erzählt, aber mit einer ganz anderen Wucht.
Eine Wucht (wow, Überleitung!) ist auch Robert Williams: Tief in den Wald hinein, Berliner Taschenbuch Verlag. Auch hier geht es um eine Familie, aber in einer ziemlich verzweifelten Situation: Die neugeborene Tochter Harriet schreit. Nicht wie andere Babys schreien, sondern jede Nacht durch, keiner findet mehr Schlaf, Harriet schreit, die Ärzte wiegeln ab, und Harriet schreit. Bis ihr Vater eines Nachts mit ihr durch die Gegend fährt und durch einen Wald kommt. Plötzlich ist das Baby ruhig und schläft friedlich, und diesen Effekt gibt es auch in den nächsten Nächten... was kann die Familie also tun, als genau in diesen Wald zu ziehen? Und das ist erst der Anfang der Geschichte. Die ungewöhnliche und vielschichtige Handlung hat mir sehr gut gefallen, der Schreibstil ist unaufgeregt und klar, was gut zur Komplexität der Geschichte passt. Ich hab im Nachgang immer wieder über das Buch und die Personen nachgedacht, dieses Buch bleibt mir sicher auch noch länger im Sinn und ich kann es sehr empfehlen.
Von Mhairi McFarlane: Es muss wohl an dir liegen, Knaur Taschenbuch Verlag war ich wieder sehr angetan, denn auch "Vielleicht mag ich dich morgen" von ihr hatte mir ja schon gut gefallen. Ich mag es einfach, wenn die Frauenfiguren nicht wie die Prinzessin auf einen Mann warten, sondern durchaus selbst für sich sorgen können. Und auch Deliah verlässt ihren Freund, um sich in London ein neues Leben aufzubauen, nachdem sie anlässlich ihres Heiratsantrags an ihn feststellen musste, dass er sie betrügt. Uuuups, aber zum Glück hat sie eine gute Freundin und bald auch wieder einen Job, aber dann... Witzig geschrieben, äußerst kurzweilig zu lesen und dabei doch reflektiert und nicht zu seicht, so mag ich das!
Ich hatte ja geschrieben, dass ich heute drei Tipps für euch habe. Denn Andy Jones: Zwei für immer, Rütten & Löning Verlag ist nichts als ein Ärgernis, das ich irgendwann erbost zur Seite gelegt habe. Mir kam es vor, als ob hier ein Mann sagt, so Mädels, jetzt zeig ich euch mal wie man einen Frauenroman schreibt. Das Ergebnis fand ich alles andere als überzeugend: Keine der Personen war auch nur annährend sympathisch, der eine schwimmt in Selbstmitleid, die andere ist nichts als zickig, und die Geschichte um ein Paar, das in der allerersten Nacht schon ein Kind zeugt, war einfach nur unglaubwürdig und schludrig geschrieben. Aber das Cover ist schön ;-)
So, nach der ganzen Auftregung wird jetzt mal wieder was geschafft, in meinem Sinne: gelesen! Heute habe ich drei Tipps für euch:
Ganz gut gefallen hat mir von Melanie Sumner: Eine Therapie für Aristoteles, Dumont Verlag. Eine Familiengeschichte um eine alleinerziehende Mutter mit zwei Kindern und allerlei Turbulenzen, die von der zwölfjähigen Tochter Aris erzählt wird. Für zwölf ist sie ganz schön schlau, aber das muss sie bei der Familie auch sein! Ihre Mutter ist ein bisschen überfordert, aber so grundsympathisch, dass ich sie gerne mal fest drücken würde. Ihr Bruder ist eher seltsam, aber das ebenfalls auf wirklich witzige Art, und die Dialoge sind zum Teil einfach köstlich. Das Buch liest sich ganz locker und hat ein super Timing, auch wenn eigentlich nicht viel passiert. Hier würde ich euch tatsächlich empfehlen, auf das Taschenbuch zu warten, und ich rätsel immer noch, was der deutsche Titel eigentlich bedeuten soll. Aber egal, es macht Spaß und bringt einen netten Lesenachmittag. Das Buch ist quasi der leichtherzige Zwilling von Lisa O'Donnells "Die Geheimnisse der Welt", auch hier von einem Kind erzählt, aber mit einer ganz anderen Wucht.
Eine Wucht (wow, Überleitung!) ist auch Robert Williams: Tief in den Wald hinein, Berliner Taschenbuch Verlag. Auch hier geht es um eine Familie, aber in einer ziemlich verzweifelten Situation: Die neugeborene Tochter Harriet schreit. Nicht wie andere Babys schreien, sondern jede Nacht durch, keiner findet mehr Schlaf, Harriet schreit, die Ärzte wiegeln ab, und Harriet schreit. Bis ihr Vater eines Nachts mit ihr durch die Gegend fährt und durch einen Wald kommt. Plötzlich ist das Baby ruhig und schläft friedlich, und diesen Effekt gibt es auch in den nächsten Nächten... was kann die Familie also tun, als genau in diesen Wald zu ziehen? Und das ist erst der Anfang der Geschichte. Die ungewöhnliche und vielschichtige Handlung hat mir sehr gut gefallen, der Schreibstil ist unaufgeregt und klar, was gut zur Komplexität der Geschichte passt. Ich hab im Nachgang immer wieder über das Buch und die Personen nachgedacht, dieses Buch bleibt mir sicher auch noch länger im Sinn und ich kann es sehr empfehlen.
Von Mhairi McFarlane: Es muss wohl an dir liegen, Knaur Taschenbuch Verlag war ich wieder sehr angetan, denn auch "Vielleicht mag ich dich morgen" von ihr hatte mir ja schon gut gefallen. Ich mag es einfach, wenn die Frauenfiguren nicht wie die Prinzessin auf einen Mann warten, sondern durchaus selbst für sich sorgen können. Und auch Deliah verlässt ihren Freund, um sich in London ein neues Leben aufzubauen, nachdem sie anlässlich ihres Heiratsantrags an ihn feststellen musste, dass er sie betrügt. Uuuups, aber zum Glück hat sie eine gute Freundin und bald auch wieder einen Job, aber dann... Witzig geschrieben, äußerst kurzweilig zu lesen und dabei doch reflektiert und nicht zu seicht, so mag ich das!
Ich hatte ja geschrieben, dass ich heute drei Tipps für euch habe. Denn Andy Jones: Zwei für immer, Rütten & Löning Verlag ist nichts als ein Ärgernis, das ich irgendwann erbost zur Seite gelegt habe. Mir kam es vor, als ob hier ein Mann sagt, so Mädels, jetzt zeig ich euch mal wie man einen Frauenroman schreibt. Das Ergebnis fand ich alles andere als überzeugend: Keine der Personen war auch nur annährend sympathisch, der eine schwimmt in Selbstmitleid, die andere ist nichts als zickig, und die Geschichte um ein Paar, das in der allerersten Nacht schon ein Kind zeugt, war einfach nur unglaubwürdig und schludrig geschrieben. Aber das Cover ist schön ;-)
Freitag, 29. Januar 2016
Messebesuch und Büchertagebuch
Richtig viel los in der Auslese! Gestern sind wir mit Sonja um die Welt gereist - ein inspirierender und sehr persönlicher Vortrag, die Zeit ist nur so verflogen! - morgen üben wir uns mit Susanne in der Buchbinde-Kunst und am Montag bin ich auf der Paperworld und Creativeworld in Frankfurt und suche nach schönen neuen Dingen für uns (die Auslese ist deswegen auch ausnahmsweise einen Tag zu).
Damit euch am Montag ohne mich nicht langweilig wird, hier ein paar Bücher, die ich in letzter Zeit gelesen habe:
"Vor ihren Augen" von Mary Louise Kelly hat sich auf dem Klappentext richtig gut angehört: Die Unidozentin Caroline geht eigentlich wegen Beschwerden im Handgelenk zum Arzt, doch bei der Untersuchung wird eine Kugel in ihrem Nacken festgestellt. Sie hat keine Ahnung, wo die herkommt und erfährt erst dadurch, dass sie adptiert wurde und ihre leiblichen Eltern ermordet wurde. Dass sie sich nun hartnäckig daran macht, die Wahrheit aufzudecken, gehört ja noch irgendwie zum Plot, aber dass sie ganz easy allerlei rausfindet, was der Polizei entgangen war, fand ich schon unglaubwürdig. Dazu noch eine Liebesgeschichte, die wohl hauptsächlich Verwirrung stiften soll, und ein völlig überzogenes Ende - na ja, nächstes Buch, bitte!
"Mördermädchen" von Elizabeth Little lebt von der schnoddrigen Hauptfigur Jane, die mit 16 ins Gefängnis kam, weil sie ihre Mutter ermordet haben soll. Jetzt ist sie 26 und wird wegen eines Formfehlers entlassen, und natürlich macht auch sie sich auf die Suche nach der Wahrheit. Dabei landet sie in einem Goldgräber-Kaff in South Dakota und bohrt hier so lange weiter, bis sie der Vergangenheit ihrer Mutter auf die Spur kommt. Blablabla, auch in dieser Geschichte fand ich die Personen und die Dialoge ziemlich unglaubwürdig. Aber dieses Buch könnte ich mir seltsamerweise gut als Film vorstellen, am besten mit Jennifer Lawrence in der Hauptrolle, da könnte das echt noch was werden...
Ab jetzt wirds besser: Von Judith Taschler fand ich ja die "Deutschlehrerin" schon grandios, und ihr "Roman ohne U" hat mich in der Mittagspause so gefesselt, dass ich fast nicht pünktlich in die Auslese zurück gekommen wäre. Was für ein grandioser Schreibstil! Einerseits wie ein Diamant, hart und geschliffen und glasklar, andererseits schimmert aber auch immer wieder ein bisschen österreichischer Schmäh durch. Das ist ebenso einzigartig wie die Geschichte, die parallel von der Familie Bergmüller in Oberösterreich heute und vom Kriegsgefangenen Thomas in Sibirien in den 40er Jahren erzählt. Das ist ziemlich grausam, sowohl in dem was sich gutsituierte Menschen in ihrem Wohlstand emotional so antun wie natürlich auch die Leiden in den Arbeitslagern. Wenig andere Autoren hätten so kunstvoll zum Schluss hin die Fäden miteinander verknüpft, das ist schon richtig gute Literatur!
Große Literatur ist "Meine Seele so kalt" von Clare Mackintosh nicht, aber ein wirklich spannender Krimi mit einigen unerwarteten Wendungen. Dabei anfangs sehr ruhig und eher bedächtig erzählt, bis es zum Schluss hin dann fast atemlos spannend wird. Jedenfalls das perfekte Buch für einen verregneten Sonntag oder einen Montag ohne die Auslese :-)
Richtig viel los in der Auslese! Gestern sind wir mit Sonja um die Welt gereist - ein inspirierender und sehr persönlicher Vortrag, die Zeit ist nur so verflogen! - morgen üben wir uns mit Susanne in der Buchbinde-Kunst und am Montag bin ich auf der Paperworld und Creativeworld in Frankfurt und suche nach schönen neuen Dingen für uns (die Auslese ist deswegen auch ausnahmsweise einen Tag zu).
Damit euch am Montag ohne mich nicht langweilig wird, hier ein paar Bücher, die ich in letzter Zeit gelesen habe:
"Vor ihren Augen" von Mary Louise Kelly hat sich auf dem Klappentext richtig gut angehört: Die Unidozentin Caroline geht eigentlich wegen Beschwerden im Handgelenk zum Arzt, doch bei der Untersuchung wird eine Kugel in ihrem Nacken festgestellt. Sie hat keine Ahnung, wo die herkommt und erfährt erst dadurch, dass sie adptiert wurde und ihre leiblichen Eltern ermordet wurde. Dass sie sich nun hartnäckig daran macht, die Wahrheit aufzudecken, gehört ja noch irgendwie zum Plot, aber dass sie ganz easy allerlei rausfindet, was der Polizei entgangen war, fand ich schon unglaubwürdig. Dazu noch eine Liebesgeschichte, die wohl hauptsächlich Verwirrung stiften soll, und ein völlig überzogenes Ende - na ja, nächstes Buch, bitte!
"Mördermädchen" von Elizabeth Little lebt von der schnoddrigen Hauptfigur Jane, die mit 16 ins Gefängnis kam, weil sie ihre Mutter ermordet haben soll. Jetzt ist sie 26 und wird wegen eines Formfehlers entlassen, und natürlich macht auch sie sich auf die Suche nach der Wahrheit. Dabei landet sie in einem Goldgräber-Kaff in South Dakota und bohrt hier so lange weiter, bis sie der Vergangenheit ihrer Mutter auf die Spur kommt. Blablabla, auch in dieser Geschichte fand ich die Personen und die Dialoge ziemlich unglaubwürdig. Aber dieses Buch könnte ich mir seltsamerweise gut als Film vorstellen, am besten mit Jennifer Lawrence in der Hauptrolle, da könnte das echt noch was werden...
Ab jetzt wirds besser: Von Judith Taschler fand ich ja die "Deutschlehrerin" schon grandios, und ihr "Roman ohne U" hat mich in der Mittagspause so gefesselt, dass ich fast nicht pünktlich in die Auslese zurück gekommen wäre. Was für ein grandioser Schreibstil! Einerseits wie ein Diamant, hart und geschliffen und glasklar, andererseits schimmert aber auch immer wieder ein bisschen österreichischer Schmäh durch. Das ist ebenso einzigartig wie die Geschichte, die parallel von der Familie Bergmüller in Oberösterreich heute und vom Kriegsgefangenen Thomas in Sibirien in den 40er Jahren erzählt. Das ist ziemlich grausam, sowohl in dem was sich gutsituierte Menschen in ihrem Wohlstand emotional so antun wie natürlich auch die Leiden in den Arbeitslagern. Wenig andere Autoren hätten so kunstvoll zum Schluss hin die Fäden miteinander verknüpft, das ist schon richtig gute Literatur!
Große Literatur ist "Meine Seele so kalt" von Clare Mackintosh nicht, aber ein wirklich spannender Krimi mit einigen unerwarteten Wendungen. Dabei anfangs sehr ruhig und eher bedächtig erzählt, bis es zum Schluss hin dann fast atemlos spannend wird. Jedenfalls das perfekte Buch für einen verregneten Sonntag oder einen Montag ohne die Auslese :-)
Freitag, 8. Januar 2016
Büchertagebuch
So, jetzt ist hier aber mal Schluss mit den ganzen Partys und dem Schlendrian! Es wird wieder gelesen! ;-) Na klar war ich auch zwischen den Jahren in meinen "Weihnachtsferien" fleißig und habe schon einige richtig gute Frühjahrs-Neuerscheinungen entdeckt.
Bis dahin aber hier schon mal ein paar aktuelle Empfehlungen:
Von Jennifer Niven war ich richtig beeindruckt: "All die verdammt perfekten Tage" liegt auf der Grenze zwischen Jugendbuch und Erwachsenen-Roman und thematisiert sehr sensibel Depressionen und Selbsttötungen unter Teenagern. Das erzählt sie so unaufgeregt und empathisch als wunderschöne Liebesgeschichte, dass ich das Buch sogar auf eine Stufe mit meinem Liebling "Eleanor und Park" stellen würde.
Gut gefallen hat mir auch "Wo du auch bist" von Fleur Smithwick - very british! Das würde ich als Schauerroman bezeichnen, jedenfalls sollte man Sinn für das Mysteriöse haben: Es geht um Alice, die als Kind einen imaginären Freund hatte. Als sie als Erwachsenen einen Unfall hat und im Krankenhaus aufwacht, ist Sam plötzlich wieder da und weicht ihr nicht mehr von der Seite. Anfangs fühlt sich Alice mit Sam wohl und vertraut und erst nach und nach merkt sie, wie besitzergreifend er ist und wie sehr er sie von anderen abkapselt. Aber wie soll sie ihn wieder loswerden, wo er doch nur in ihrem Kopf existiert?
Und dann noch die Krimis: Christoffer Carlsson ist eine echte Neuentdeckung, die beiden Bände der Leo Junker-Reihe "Der Turm der toten Seelen" und "Schmutziger Schnee" sind super! Ich mag die skandinavischen Krimis ja ohnehin sehr, und hier schreibt ein junger Autor schnell und schnörkellos mit guten Fällen und interessanten Personen, sehr modern und hart. Ich bin jetzt schon gespannt, wie es weiter geht - ich fürchte nicht besonders gut für Leo!
Zum Schluss noch was Amerikanisches: "Farbenblind" von Colby Marshall wäre eigentlich ein ganz konventioneller Krimi um einen Serienmörder. Zwei Punkte heben ihn aber ganz angenehm aus der Masse heraus: Zum einen ist die ehemalige FBI-Agentin Jenna Ramey Synästhetikerin und sieht ihre Empfindungen und Gedankenblitze als Farben. Das wird gut und nachvollziehbar beschrieben und gibt der Geschichte ein bisschen mehr Tiefgang. Zum anderen ist die interessanteste Figur in dieser Geschichte eine hochmanipulative Serienmörderin - und ihre Mutter. Hier würde ich auf jeden Fall auch den nächsten Band lesen, wenn die Serie fortgesetzt wird.
Donnerstag, 5. November 2015
Büchertagebuch
Nachdem ich im letzten Büchertagebuch ja von meinen aktuellen Lieblingsbüchern geschwärmt habe, kommt heute sozusagen die Alltagskost nach dem Feiertag - dreimal Grundsolides und einmal... aber lest selbst:
Auf das neue Buch von Barbara Vine hatte ich mich ganz besonders gefreut, weil es ja ihr letztes ist (im Mai ist sie leider gestorben). "Kindes Kind" ist wie immer glänzend geschrieben und ein Genuss zum Lesen, allerdings hat mir die typische Schlusspointe gefehlt. Ich mag nämlich besonders an Barbara Vine, dass sie ihren Geschichten immer zuallerletzt noch so einen Dreh verpasst, der mich schlucken lässt und die Bücher so außergewöhnlich macht. Hier endet die Geschichte einfach und ich frage mich, warum ihr die Handlung so erzählenswert erschienen sein mag... Also lest lieber "Königliche Krankheit" oder "Der schwarze Falter" oder "Schwefelhochzeit" oder eins der älteren Bücher, die Diogenes jetzt wohl so nach und nach wieder neu auflegt.
Dann habe ich mit "Zwei Schwestern" von Dorothy Baker weiter gemacht, einer Wiederentdeckung aus den 60er Jahren. Das ist wieder mal so ein Buch, in dem eigentlich nichts passiert, das aber in einer ganz sorgfältigen und präzisen Sprache geschrieben ist. Die Zwillingsschwestern Cassandra und Judith haben sich auseinander gelebt - zum Kummer von Cassandra und zur Zufriedenheit von Judith, die sich verliebt hat und nun heiraten will. Cassandra reist mit dem festen Willen an, die Hochzeit zu verhindern und das symbiotische Leben mit ihrer Schwester wieder aufzunehmen, und schreckt dabei vor fast nichts zurück. Die Geschichte hätte an sich ein bisschen kürzer sein können, aber es sind einige kluge Gedankengänge enthalten, die das Buch doch sehr lesenswert machen.
Jetzt kommen wir zu den Krimis: "Der Eismann" von Silja Ukena ist ganz spannend und gut zu lesen, beachtlich für ein Debüt! Wer Elisabeth Herrmann und Nele Neuhaus mag und gern Krimis liest, die im heutigen Berlin in rätselhaften Fällen auf die Vergangenheit verweisen, ist hier gut aufgehoben. Auch wenn der Kommissar Bruno Kahn für meinen Geschmack ein bisschen zu intensiv die "Einsamer Wolf"-Karte ausspielt. Wenn ihr es selbst lesen wollt, wartet auf das Taschenbuch, aber es ist auf jeden Fall auch ein gutes Geschenk für Krimifans und soll in weiteren Bänden fortgesetzt werden.
Und jetzt kommt Henry: Henry Hayden ist so ein richtiges Schätzchen. So einer wie Tom Ripley, berühmt und reich, Frauenliebling, Lebemann, und so was von einem Schlitzohr. Aktuell ist seine Geliebte von ihm schwanger, was so gar nicht in seine Pläne passt... aber Henry ist ja spontan und macht einfach neue Pläne. Und dann noch mal neue Pläne. Blöderweise kann ich nicht mehr erzählen, ohne gleich einen Spoiler zu landen, aber das müsst ihr einfach selbst lesen. Sascha Arango schreibt sonst Drehbücher und hat ein tolles Gespür fürs Timing und für seine Personen, was für ein Lesespaß! Wer kommt denn auf einen Namen wie Honor Eisendraht für den Vorzimmerdrachen? Ich glaube übrigens, dass "Die Wahrheit und andere Lügen" bei Männern besser ankommt als bei Frauen, aber wer weiß. Das ist jedenfalls eins der wenigen Bücher, über die ich in einem Lesekreis gerne mal diskutieren würde, wie das jetzt eigentlich genau war mit Betty und Obradin und Henrys Mutter...
Nachdem ich im letzten Büchertagebuch ja von meinen aktuellen Lieblingsbüchern geschwärmt habe, kommt heute sozusagen die Alltagskost nach dem Feiertag - dreimal Grundsolides und einmal... aber lest selbst:
Auf das neue Buch von Barbara Vine hatte ich mich ganz besonders gefreut, weil es ja ihr letztes ist (im Mai ist sie leider gestorben). "Kindes Kind" ist wie immer glänzend geschrieben und ein Genuss zum Lesen, allerdings hat mir die typische Schlusspointe gefehlt. Ich mag nämlich besonders an Barbara Vine, dass sie ihren Geschichten immer zuallerletzt noch so einen Dreh verpasst, der mich schlucken lässt und die Bücher so außergewöhnlich macht. Hier endet die Geschichte einfach und ich frage mich, warum ihr die Handlung so erzählenswert erschienen sein mag... Also lest lieber "Königliche Krankheit" oder "Der schwarze Falter" oder "Schwefelhochzeit" oder eins der älteren Bücher, die Diogenes jetzt wohl so nach und nach wieder neu auflegt.
Jetzt kommen wir zu den Krimis: "Der Eismann" von Silja Ukena ist ganz spannend und gut zu lesen, beachtlich für ein Debüt! Wer Elisabeth Herrmann und Nele Neuhaus mag und gern Krimis liest, die im heutigen Berlin in rätselhaften Fällen auf die Vergangenheit verweisen, ist hier gut aufgehoben. Auch wenn der Kommissar Bruno Kahn für meinen Geschmack ein bisschen zu intensiv die "Einsamer Wolf"-Karte ausspielt. Wenn ihr es selbst lesen wollt, wartet auf das Taschenbuch, aber es ist auf jeden Fall auch ein gutes Geschenk für Krimifans und soll in weiteren Bänden fortgesetzt werden.
Und jetzt kommt Henry: Henry Hayden ist so ein richtiges Schätzchen. So einer wie Tom Ripley, berühmt und reich, Frauenliebling, Lebemann, und so was von einem Schlitzohr. Aktuell ist seine Geliebte von ihm schwanger, was so gar nicht in seine Pläne passt... aber Henry ist ja spontan und macht einfach neue Pläne. Und dann noch mal neue Pläne. Blöderweise kann ich nicht mehr erzählen, ohne gleich einen Spoiler zu landen, aber das müsst ihr einfach selbst lesen. Sascha Arango schreibt sonst Drehbücher und hat ein tolles Gespür fürs Timing und für seine Personen, was für ein Lesespaß! Wer kommt denn auf einen Namen wie Honor Eisendraht für den Vorzimmerdrachen? Ich glaube übrigens, dass "Die Wahrheit und andere Lügen" bei Männern besser ankommt als bei Frauen, aber wer weiß. Das ist jedenfalls eins der wenigen Bücher, über die ich in einem Lesekreis gerne mal diskutieren würde, wie das jetzt eigentlich genau war mit Betty und Obradin und Henrys Mutter...
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