Mittwoch, 14. Juni 2017

Die Empfehlungen aus der Spätlese













Phillipa Ashley: Hinter dem Café das Meer, Dumont Taschenbuch
Dieses Buch ist einfach nur nett! Die Geschichte von Demi und Cal liest sich locker runter, ist amüsant und gut erzählt, hat einen niedrigen Kitschfaktor und vor allem keine künstlich aufgebauschten Aufreger und ach-so-dramatische-Wendungen. Dabei sind alle Zutaten für einen ordentlichen Klischee-Cocktail enthalten: Eine armes schönes Mädchen, ein reiches schönes Mädchen, ein grummliger, aber attraktiver Erbe, ein runtergekommenes Anwesen und die Küste von Cornwall. Aber bei Dumont erscheinen einfach keine schlechten Bücher, und auch dieses mochte ich richtig gern. Ein perfektes Urlaubsbuch, und das eine oder andere Gläschen Wein verträgt man auch dazu.


Sarah Schmidt: Weit weg ist anders. Insel Taschenbuch
Hier habe ich mich schier gekräuselt vor Lachen, diese Mädels! Frau Scholz und Frau Jacobi sind irgendwie über siebzig, aber beileibe noch keine Seniorinnen (auf jeden Fall keine von der Seniorinnen-Teller-Sorte), lernen sich in der Reha kennen und finden sich höchsten suboptimal sympathisch. Aber sie können einander ziemlich nützlich sein, und daraus entsteht... ein bisschen Freundschaft, ein bisschen Roadtrip, ein bisschen Tragikomisches - so eine biestige, realistische, runde Geschichte gibt es nicht so oft.


Barbara Vine: Es scheint die Sonne noch so schön. Diogenes Taschenbuch
Dieses Buch steht stellvertretend für alle Romane von Barbara Vine (außer "Kindes Kind", der ist doof), die dankenswerterweise jetzt wieder aufgelegt werden. Sie ist die Meisterin der subtilen Spannung, der perfekt komponierten, psychologisch ausgefeilten Geschichten und der überraschenden Enden. Vergesst Charlotte Link oder Elizabeth George, Barbara zeigt, wie man's am besten macht! Hier geht es um eine Gruppe junger Leute, die zusammen einen Sommer in einer Art Kommune in einem geerbten alten Landhaus leben. Was hippiemäßig friedlich beginnt, eskaliert mit zunehmender Hitze und Geldmangel, und zehn Jahre später werden zwei Skelette gefunden - eine junge Frau und ein Säugling...


Dennis Lehane: Ein letzter Drink. Diogenes Taschenbuch
Auch die Krimies um Patrick Kenzie und Angela Genaro gab es schon mal bei Diogenes, jetzt werden sie neu übersetzt und erscheinen nach und nach wieder. So ein Glück! Sie sind düster, brutal und manchmal ziemlich pessimistisch, aber so absolut lesenswert allein wegen der beiden Hauptfiguren - und natürlich ihrem Sidekick Bubba Rogowski. Boston und seine Seilschaften (politische, Mafia und auch sonst) kommen nicht gut weg, aber die Handlung entwickelt einen solchen Sog, dass man die Bücher am liebsten alle hintereinander weg lesen möchte. Im ersten Teil hat laut Auftraggeber eine Putzfrau bei einem Senator Dokumente geklaut, die Patrick wieder zurück bringen soll. So simpel ist es natürlich nicht, auf den Fotos ist der Senator mit einem Unterweltboss zu sehen und Patrick hat leider ein Gewissen.



Andreas Pflüger: Endgültig. Suhrkamp Taschenbuch
Erinnert ihr euch noch, wie toll ich letztes Jahr "Neuntöter" fand? Hier kommt endlich mal wieder ein Krimi, der mich ähnlich begeistert hat, und den ich atemlos an einem Sontag verschlungen habe. So viel Handlung, solche Charaktere, so ein Spannungsbogen!! Es geht um eine junge Polizistin in einer Spezialeinheit, die bei einem Einsatz erblindet ist und nun in einen alten Fall eingeschaltet wird. Allein, wie Jennys Welt beschrieben ist, wäre schon lesenswert, aber diese Geschichte ist insgesamt so unglaublich dicht und packend erzählt. Die Zusammengehörigkeit innerhalb "der Abteilung", die Vorgeschichte des Falls, die Einzelheiten rund um den Täter - ich bin echt aus dem Häuschen.



Mittwoch, 10. Mai 2017

Die Empfehlungen aus der Spätlese





Gail Honeyman: Ich, Eleanor Oliphant. Lübbe Verlag
Ein Lieblingsbuch! Das habe ich schon ganz früh als Manuskript von der lieben Andrea bekommen (tausend Dank noch mal, du kennst mich halt!) und konnte es kaum erwarten, bis das Buch endlich erscheint und ich es euch empfehlen kann. Zuerst sollte es "Eleanor Oliphant und die Liebe" heißen und ich bin sehr, sehr froh, dass es nicht so gekommen ist, denn darum geht es hier überhaupt nicht. Die Liebe ist das Allerletzte, was Eleanor sucht, eigentlich möchte sie nur in Ruhe gelassen werden. Wie sich das Leben dann doch noch bei ihr einschleicht, ist gleichermaßen herzerwärmend wie herzbeklemmend, denn ohne Grund versteckt man sich ja nicht so vor der Welt...


Kanae Minato: Geständnisse. C. Bertelsmann Verlag
Auf diesem Buch ist ein Aufkleber mit einem Zitat der Los Angeles Times: "Das feinste böse Buch des Jahres." Oh ja, das trifft es gut! Ein ungewöhnlicher Stil, die Geschichte wird in sechs Gesprächsprotokollen erzählt, die nach und nach das ganze Geschehen um den Tod eines kleines Mädchens in einem Swimmingpool aufdecken. Oder doch nicht das ganze Geschehen? In der japanischen Kultur haben kleine Dinge einen großen Stellenwert, und auch in diesem Lesegenuß für versierte Krimileser zählt jedes Wort und jeder Satz. 


JP Delaney: The girl before. Penguin Taschenbuch
Ein richtiger guter und ungewöhnlicher Krimi ist auch "The girl before", wobei ich diese ganzen "The girl irgendwas"-Titel ja sehr nervig finde. Und dann auch noch der Untertitel "Sie war wie du. Und jetzt ist sie tot." (Ätsch). Aber nicht davon abhalten lassen, das hier ist wirklich spannend. Es geht erst mal um eine Frau, die sich nach einem Einbruch in ihrer Wohnung nicht mehr sicher fühlt. Als sie über eine Maklerin ein minimalistisches Luxushaus findet, das sämtliche Bedürfnisse und Aktivitäten elektronisch steuert, ist sie begeistert und zieht ein, auch wenn der Hausbesitzer selbst ihr ziemlich merkwürdig vorkommt - aber auch ziemlich interessant... Vor allem fand ich die Schilderungen des Hauses und seiner Prinzipien so faszinierend, alles Überflüssige so weit wie möglich zu reduzieren und den Rest mit den allerfeinsten Materialen zu gestalten, "reduce to the maxx" sozusagen.


Mhairi McFarlane: Irgendwie hatte ich mir das anders vorgestellt. Knaur TB
Die Frau ist einfach eine Bank. Nach "Wir in drei Worten", "Vielleicht mag ich dich morgen" und "Es muss wohl an dir liegen" kommt hier wieder ein wirklich witziges und kurzweiliges Buch von Mhairi McFarlane. Es beginnt mit einem Kuss auf einer Hochzeit... nur leider küsst der Bräutigem nicht die Braut. Dann folgen ein Shitstorm, ein eitler Schauspieler, Familienprobleme und allerlei Wirrungen bis zum H... (ich will ja nicht zu viel verraten), sehr sehr nett. Was mir auch gefällt, ist dass die Figuren richtige Probleme haben und nicht so an den Haaren herbeigezogenen Kram.


Henriette Bulette: Hackbällchen Kochbuch. blv
Knuspriger Südwesten. Silberburg Verlag
So, jetzt gibts mal wieder Kochbücher in der Spätlese, und dann gleich zwei! Beide zeichnen sich durch absolute Alltagstauglichkeit aus, sind nicht übertrieben opulent, sondern eher handfest und haben den ja-ja-ja-Test bestanden: Wenn ich beim ersten Durchblättern bei drei Rezepten "ja, das will ich nachkochen" denke, kommt das Kochbuch auf jeden Fall in die engere Wahl. Leckere Brote, Brötchen und andere Knusprigkeiten und sogar ein Kapitel über die Verwendung von übrigem Brot finde ich richtig super, und "Henriette Bulette" muss man doch einfach gern haben, oder? Lasst es euch schmecken!







Donnerstag, 20. April 2017

Die Empfehlungen aus der Spätlese

Vor lauter Oster- und anderem Trubel habe ich noch gar nicht die Empfehlungen aus den letzten beiden Spätlesen mit euch geteilt - hier kommen sie nun aber (im Schnelldurchlauf):


Empfehlungen aus dem März:

Rosamund Lupton: Eiskalte Nacht, dtv Taschenbuch
Super-super-spannend, habe ich bis um zwei Uhr nachts gelesen, weil ich nicht aufhören konnte!


Hanya Yanagihara: Ein wenig Leben, Hanser Verlag
Eins der schrecklichsten und besten Bücher, die ich je gelesen habe.

Claire Fuller: Eine englische Ehe, Piper Verlag
Toll geschrieben, eine eigentlich traurige Geschichte um eine unglückliche Ehe liebevoll und tragisch-komisch erzählt.

Nina Sadowsky: Be my girl, Penguin Taschenbuch
Ein ungewöhnlicher Krimi mit vielen Wendungen, richtig gute Unterhaltung.




Empfehlungen aus dem April:

Blake Crouch: Dark Matter, Goldmann Taschenbuch
Sehr packend und mit fast schon philosophischen Anklängen, ein Buch zum Nachdenken und drüber-diskutieren!

Daniel Cole: Ragdoll, Ullstein Taschenbuch
Spannend und mit schwarzem Humor, endlich mal wieder ein derbe-guter Krimi.

Patry Francis: Die Schatten von Race Point, blanvalet Taschenbuch
Hier ist alles enthalten: Liebesgeschichte, Entwicklungsroman, Gesellschaftsbild, Krimi - ein echtes Lieblingsbuch (bis auf das schreckliche Kitsch-Cover).

Maja Lunde: Die Geschichte der Bienen, btb
Alles hängt mit allem zusammen - in der Natur wie in der Familie, das wird hier wunderschön und mit viel Empathie auf drei Handlungsebenen erzählt.

Abi Waxmann: Gegen Liebe ist kein Kraut gewachsen, rororo
Dieses Buch ist einfach nur süß, und lustig und nett - wenn ihr euch mal ein paar entspannte Lesestunden machen wollt, nehmt das!






Samstag, 18. Februar 2017

Die Empfehlungen aus der Spätlese

Katie Agnew: Die Perlenfrauen, Heyne Taschenbuch

Ein sehr schöner Roman um eine verschwundene Perlenkette, der einen Handlungsbogen von japanischen Perlentaucherinnen über eine amerikanische Schauspielerin in den 50er Jahren bis heute spannt. Die Perlentaucherinnen und ihre Insel gibt es wirklich, und insgesamt zeichent sich dieses Buch durch eine sehr angenehme Unaufgeregtheit und eine wirklich unterhaltsame Geschichte aus, und ich mochte auch den Humor darin.  


Carmen Korn: Töchter einen neuen Zeit, Kindler Verlag

Dies ist der erste Band einer Trilogie, der von 1919 bis zum Ende des zweiten Weltkriegs spielt. Im Mittelpunkt stehen vier Frauen: Die Hebamme Henny, ihre Freundin Käthe, die den Kommunisten nahesteht, die Lehrerin Lina und die Tochter aus gutem Hause Ida. Hier hat mir der geruhsame, fast ein bisschen altmodische Erzählstil gut gefallen, und wie die vier Lebenswege perfekt in die Handlung und die großen geschichtlichen Ereignisse eingebunden werden. Außerdem fand ich die vielen Details hoch interessant, wusstet ihr zum Beispiel, dass Lehrerinnen damals nicht heiraten durften? Wenn doch, haben sie ihre Stelle und die Pensionsansprüche verloren. 
Nachdem wir so viel miteinander erlebt und erlitten haben, freue ich mich schon unheimlich auf den nächsten Teil.


Peter Swanson: Die Gerechte, Blanvalet Taschenbuch

Was für ein spannender Thriller! Fängt an wie bei Hitchcock: Zwei Fremde in einer Flughafenbar, und er schüttet ihr sein Herz aus - böse Frau zu Hause, betrügt ihn, alles schlimm. Und sie bietet ihm an, sie doch dann einfach gemeinsam umzubringen... Meint sie das ernst??? Ab da gibt es eine spannende Handlung und so viele unvorhergesehene Wendungen, dass ich am Ende ganz atmelos und ein bisschen zerzaust war.


Clare Macintosh: Alleine bist du nie, Bastei Lübbe Taschenbuch

Dieses Buch hätte ich wahrscheinlich nicht in die Hand genommen, wenn ich von Clare Macintosh nicht schon "Meine Seele so kalt" ganz toll gefunden hätte. Zum Glück habe ich es doch getan, denn dieser Spannungsroman aus London ist richtig richtig gut! Vor allem beängstigend realistisch, genau so könnte das wirklich passieren, wie gruselig! Es beginnt damit, dass Zoe in einer Gratiszeitung in der U-Bahn ihr eigenes Bild in einer Kontaktanzeige entdeckt. Ihre Familie glaubt ihr nicht so recht, bis eine weitere Anzeige auftaucht - und die Frau auf dem Bild bald darauf ermordet wird...






Mittwoch, 11. Januar 2017

Die Empfehlungen aus der Spätlese


Tana French: Gefrorener Schrei, Scherz Verlag

Eine neue Tana French, endlich! Auf die Bücher von ihr warte ich immer ganz begierig, bisher mochte ich alles und auch das neue Buch enttäuscht nicht. Dieses Mal steht Antoinette Conway im Mittelpunkt, die wir ja schon in "Geheimer Ort" kennen gelernt haben (für Tana French-Neulinge: Man begegnet bei ihr stets alten Bekannten, denn sie lässt immer ein anderes Mitglied der Dubliner Polizei in den Vordergrund treten, während im Hintergrund Personen aus ihren anderen Büchern eine Rolle spielen. Gefrorener Schrei ist ihr sechstes Buch, und man kann dadurch jedes für sich lesen und quer einsteigen). 

Antoinette werden als einziger Frau und Neuling im Mordderzernat von ihren Kollegen einige Steine in den Weg gelegt, aber sie beisst sich durch. Als sie mit ihrem Partner (Stephen Moran, den kennen wir aus "Geheimer Ort") in einem scheinbar klaren Mord ermittelt - Frauenleiche, Tisch romantisch für zwei gedeckt, Kerzen und Wein = eindeutig Beziehungstat - soll sie eigentlich nur den Freund der Toten verhaften. Sie ist bei so viel Eindeutigkeit aber misstrauisch, und die folgende Handlung ist so stringent erzählt, so fesselnd und gut geschrieben, dass ich das Buch quasi in einer Nacht gelesen habe. Neulich habe ich die Frieda-Klein-Reihe von Nicci French ja als eine meiner liebsten Krimi-Reihen gelobt - die Bücher von Tana French (so merkt sich's auch besser) ist die andere.


Tom Hillenbrand: Gefährliche Empfehlungen, KiWi Taschenbuch

Xavier Kieffer ist zurück! Das sind eindeutig Wohlfühlkrimis, auch für Leute die nicht gerne Krimis lesen. Aber Affinität zu Wein und Kulinarik sollte da sein, denn es wird lecker! Dieses Mal geht es für den ehemaligen Sternekoch aus Luxemburg um einen antiquarischen Restaurantführer, für den jemand über Leichen geht. Dazu wird wieder geschlemmt und getrunken, und auch ich hatte unbändige Lust auf ein Glas Wein beim Lesen. Daneben sind die Hintergründe aber wie immer gut recherchiert und es macht einfach Spaß, in Xaviers Welt einzutauchen und seinem Dickkopf zu folgen. Auch hier kann man mit dem fünften Fall gut quer einsteigen, aber auch die anderen Bände sind sehr lesenswert.

Karin Kalisa: Sungs Laden, Droemer Knaur Taschenbuch

Ein Lieblingsbuch! Dieses Buch mag ich so gerne, wegen der Sprache, den Personenzeichnungen und der fein ausgedachten Handlung. Es geht um einen vietnamesischen Gemischtwarenladen in Berlin, aber oh, was steckt alles drin in diesem schönen kleinen Roman! Wie bei einem Steinchen, das man ins Wasser wirft, entstehen hier aus einer kleinen Begebenheit immer größere Kreise, und alle sind von Offenheit und Zuneigung und einem Glaube ans Gute geprägt

Das kann man wahrhaft brauchen in einer Zeit, in der man manches Mal schon an den Menschen verzweifeln könnte. Hier kommt aber der Gegenentwurf, eine Utopie, ein Märchen? Egal, die Welt kann ein bisschen Nettigkeit und Glitzer gut vertragen. Am liebsten würde ich hundert Exemplare kaufen und sie überall in der Welt liegen lassen, damit andere sie finden und lesen.

Lucy Astner: Polly Schlottermotz, Thienemann Planet!

Jaha, ein Kinderbuch! Aber die Geschichte von Polly und ihrer großen und schockierenden Entdeckung fand ich so witzig erzählt, dass ich sie gerne für alle ab 6 zum Vorlesen oder ab 9 zum Selberlesen empfehlen möchte. Vor allem, weil die Botschaft - wir müssen nicht alle gleich sein, es ist gut sich zu unterscheiden und eigen zu sein - so unverkrampft und leichtfüssig daher kommt. Bei all den turbulenten Szenen und den lustigen Dialogen stelle ich mir vor, dass Vorlesen fast sogar noch mehr Spaß macht als Selberlesen...







Dienstag, 10. Januar 2017

Die Auslese-Best-of-Liste 2016

Ä guets Neues! Seid ihr gut ins neue Jahr gekommen? Nach dem Weihnachtstrubel kehrt in der Auslese langsam wieder etwas Ruhe ein, die Inventur und der Jahresabschluss sind gemacht (yeah!) und ich präsentiere stolz die Auslese-Bestseller des Jahres 2016:


Romane im Hardcover
1. Juli Zeh: Unterleuten
2. Brigitte Glaser: Bühlerhöhe
3. Isabel Bogdan: Der Pfau


Romane im Taschenbuch
1. Rowan Coleman: Wolken wegschieben
2. Vea Kaiser: Makarionissi
3. Susann Rehlein: Die erstaunliche Wirkung von Glück


Krimis
1. Ule Hansen: Neuntöter
2. Sandrone Dazieri: In der Finsternis
3. Sascha Arango: Die Wahrheit und andere Lügen


Sachbuch
1: Monika Bittl: Ich hatte mich jünger in Erinnerung
2. Peter Wohlleben: Das geheime Leben der Bäume
3. Bodo Janssen: Die stille Revolution


Kinderbuch
1. Greg Kinney: Gregs Tagebuch 11, So ein Käse
2. Andreas Schmachtl: Snöfrid aus dem Wiesental
3. Charlotte Habersack: Bitte nicht öffnen!






P.S. Heute abend ist Spätlese... wenn ihr schon mal die ersten Bestseller 2017 kennen lernen möchtet ;-)

 

Donnerstag, 10. November 2016

Empfehlungen aus der Spätlese

Nachdem ich ja gestern den ganzen Tag auf Jan Böhmermann gewartet habe, damit er endlich seinen neuesten Coup aufklärt, wende ich mich nun kopfschüttelnd etwas Erfreulicherem zu: Den Empfehlungen aus der letzten Spätlese. Mir fällt gerade auf, dass kein amerikanisches Buch dabei ist - tja, Strafe muss sein.


Stephanie Lam: Das Haus der Lügen, Goldmann Taschenbuch
Das ist das Buch zum Wetter! Mit diesem Schmöker für einen Nachmittag auf die Couch, perfekt! Spielt in England, und natürlich geht es um dunkle Familiengeheimnisse - aber ich fand es sehr unterhaltsam und auch nicht so, dass ich auf Seite 10 schon wusste, wie es ausgeht.


Andreas Izquiero: Das Glücksbüro, Dumont Taschenbuch
Ein modernes Märchen voller Poesie, mit lauter zauberhaften Einfällen und großem Wortwitz geschrieben, ein super Geschenktipp! Albert liebt nicht nur seine Arbeit im "Amt für Verwaltung", er liebt das Amt selbst - so sehr, dass er sogar darin wohnt. Als er eines Tages ein Formular auf den Tisch bekommt, das es eigentlich nicht geben dürfte, gerät seine schöne Ordnung aber ziemlich durcheinander... vor allem, als er dann auch noch die Antragstellerin kennen lernen muss.


Jill Alexander Essbaum: Hausfrau, Bastei Lübbe Taschenbuch
Ein brutales, schonungsloses Buch, das mich ziemlich umgehauen hat. Anna ist Amerikanerin und lebt mit Mann und zwei Söhnen ein wohlsituiertes und scheinbar gut geordnetes Leben in der Schweiz. In Wirklichkeit ist sie aber verzweifelt auf der Suche nach irgendeiner Art von Gefühl oder vielleicht auch Richtung und stürzt sich in Affären, um die Leere zu füllen. Das ist sehr lakonisch und distanziert beschrieben, was das Buch aber für mich zu einem stimmigen Gesamtkunstwerk macht und es wohltuend von den ganzen wischiwaschi "Gefühlsbüchern" abhebt. Hier wird Klartext geschrieben, und das ist wohl nichts für ganz zarte Gemüter. Mir hat es aber unglaublich gut gefallen und wieder mal denke ich, wie man Menschen doch nur bis vor die Stirn schaut und nie wissen kann, was sich dahinter so abspielt.


Vea Kaiser: Makarionissi, KiWi Taschenbuch
Eine griechische Familiengeschichte über fünf Generationen, die zum Teil in Deutschland und den USA spielt. Intelligente Unterhaltung mit sympathischen Figuren, großem Wohlfühl-Faktor und viel Situationskomik und Wortwitz, das hat großen Spaß gemacht. Vea Kaiser ist wirklich ein Ausnahmetalent, in so jungem Alter schon so fein komponierte Geschichten schreiben zu können. Makarionissi hat mir mindestens so gut gefallen wie Blasmusikpop und ich werde es sehr gerne empfehlen.


Nicci French: Blauer Montag/ Böser Samstag, btb Taschenbuch
Über die Frieda-Klein-Reihe habe ich ja schon ausführlich geschwärmt, und nun habe ich das Erscheinen des neuesten Bands "Böser Samstag" zum Anlass genommen, noch mal die ganze Reihe ab Band 1 in der Spätlese zu empfehlen. Ehrlich, das sind mit die besten Bücher, die ich kenne!





Donnerstag, 13. Oktober 2016

Literatur-Nobelpreis und Empfehlungen aus der Spätlese

Hey Nobelpreiskomitee, wie entspannt ist denn das? In diesem Jahr gibt's kein "WER hat den Preis gekriegt? Wie heisst der? Welches Land? Gibts da überhaupt was auf Deutsch? Und wann ist das wieder lieferbar?" Nein, dieses Jahr lehne ich mich total entspannt zurück, trinke eins auf Bobby Dylan und freue mich auf nächstes Jahr... da bekommt den Literatur-Nobelpreis dann vermutlich das Bundesfinanzministerium für seine unterhaltsamen Broschüren.

 
Also, jetzt lasst uns über Literatur reden: Am Dienstag war wieder Spätlese, und ich musste mich wirklich beherrschen - so viele tolle Bücher und so wenig Zeit. Und bald ist ja auch wieder Weihnachten... Die Spätlese findet dieses Jahr noch mal am 08. November statt und am 13. Dezember gibt es dann das Weihnachts-Special mit lauter Geschenktipps für Ehemänner und Schwiegertöchter und Nachbarinnen und ...

Am Dienstag hatte ich diese Schätzchen für euch ausgesucht:


Laura Tait/ Jimmy Rice: Alles, was vielleicht für immer ist, Dumont

Von diesen beiden hat mir schon "Das Beste, das mir nie passiert ist" so gut gefallen, weil sie genüßlich mit der weiblichen und der männlichen Perspektive spielen. Hier geht es noch einen Schritt weiter: Rebecca vereint auf sich typisch "männliche" Klischees wie Zielstrebigkeit und Sachlichkeit und Ben ist das Mädchen in der Beziehung mit den "weiblichen" Eigenschaften wie hoher Emotionalität und Neugier auf andere. Das treibt unser Autorenduo mitunter ganz schön auf die Spitze, aber ich hab mich bei diesem lustigen kleinen Roman immer bestens unterhalten gefühlt.


 
Chiara Gamberale: Das 10-Minuten-Projekt, Berlin Verlag

Zuerst habe ich gedacht, öhch schon wieder so ein Selbsthilfe-Roman, aber dieses Buch ist so witzig und unsentimental und erfrischend geschrieben, dass ich es euch ganz arg ans Herz legen möchte. Chiara ist deprimiert, weil ihr Mann sie verlassen hat, und soll nun auf Geheiß ihrer Therapeutin jeden Tag 10 Minuten lang etwas ganz Neues ausprobieren, um auf andere Gedanken zu kommen. Sie beginnt eher missmutig mit knallpinkem Nagellack, arbeitet sich über HipHop-Tanzen und Impro-Theater vor bis zum Windelwechseln und schließlich den größeren Themen - einem Besuch bei IKEA. 
Nee Quatsch, so seicht ist es nicht! Besonders bewegend fand ich das Kapitel, in dem sie zum ersten Mal ihre Mutter fragt, wie es ihr denn wirklich geht, und so lange hartnäckig bleibt bis die beiden ein wirklich schönes Gespräch führen. In ihren Selbstheilungsprozess funkt ihr blöder Exmann immer wieder dazwischen, aber Chiara bleibt tapfer und lernt nach und nach, ihr Leben wieder zu schätzen. 
Außerdem hat das Buch das allerschönste weihnachtliche Ende aller Zeiten und ist daher das perfekte Geschenk für unter den Baum!

(Und, wer hats gemerkt, dieses Buch hatte ich schon im Oktober letztes Jahr als Neuerscheinung empfohlen. Jetzt ist es gerade als Taschenbuch erschienen)


Joyce Maynard: Die Guten

Ich vermisse Barbara Vine ja schmerzlich, ihre Bücher sind einfach etwas Besonderes. Umso schöner, dass mich dieses Buch sehr an ihren Stil, ihre klug konzipierten Handlungen und sorgfältigen Charakterzeichnungen erinnert. Die Geschichte ist wirklich faszinierend: Als Helen an einem ziemlichen Tiefpunkt ihres Lebens angekommen ist, lernt sie die charismatischen Havillands kennen. Ava und Swift haben alles, was Helen nicht hat, und sie bindet sich immer enger an diese Familie, auch auf Kosten von echten Freundschaften. Mit Hilfe des glamurösen Lebensstils der beiden schafft sie es sogar, wieder eine Beziehung zu ihrem kleinen Sohn Ollie aufzubauen. Und dann wird es dramatisch... Da ist so wahnsinnig durchdacht und raffiniert aufgebaut, ich habe völlig fasziniert gelesen und gelesen und konnte überhaupt nicht aufhören.
 

Anita Terpstra: Anders, blanvalet
Ja, das hatte ich schon aus meiner Ferienlektüre empfohlen.


Brigitte Glaser: Bühlerhöhe, List Verlag
Und nun mein Highlight: Das ist soooo ein wunderbares Buch!! Es wird 1952 aus der Sicht dreier Frauen erzählt - einer jungen Israelin, die widerwillig zur Agentin wird, eines Zimmermädchens aus dem Schwarzwald und einer undurchsichtigen Hausdame im Luxushotel Bühlerhöhe - und ich bin tief in die unmittelbare Nachkriegsgeschichte eingetaucht. 
Es gibt ja nicht so viele Bücher, die zu Beginn der 50er spielen, und ich fand den Kontrast zwischen den Nachwirkungen des Krieges und dem Lebenswillen der Wirtschaftswunderzeit sehr interessant. Auch die deutsch-israelische Geschichte und Politik dieser Zeit wird thematisiert und so gekonnt in die Romanhandlung eingearbeitet, dass ich die Zusammenhänge sehr gut verstehen konnte. Dazu schafft die Autorin ein farbiges und lebendiges Zeitbild - und eine überaus spannende Handlung um ein geplantes Attentat auf Kanzler Adenauer, der in der Bühlerhöhe zur Sommerfrische erwartet wird. 

Dieses Buch werde ich zu Weihnachten wie verrückt empfehlen, so eine perfekte Mischung aus Zeitgeschichte, Spannung und Romanhandlung habe ich lange nicht mehr gefunden.




 

Freitag, 9. September 2016

Ein neues Zuhause für die kunstpause

Heute haben die Machmischungen ein schönes neues Zuhause in der Auslese bekommen. Das sieht doch sehr gemütlich aus, oder? Und ich liebe Kraftpapier!

Übrigens, wir haben nicht nur die fertigen Machmischungen zum Verschenken und Selber-Machen, sondern auch viele Materialien aus den Machmittagen und kreativAperos einzeln zum Nachkaufen - zum Beispiel Stempelgummi oder Strickschläuche.